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Vom Weg abgekommen
Der böse Wolf hat viele Gesichter. Robin, Rose, Ruby, Ginger, Carmen und Scarlett, im Alter von neun bis 19, wollen sie alle sehen. Doch wie sollen sie am sonnenbestrahlten Weg, eingebettet in das Gesamtkonzept von dröger Behütetheit, die taub macht für wahre Empfindungen und Erkenntnisse, jemals reißende, unberechenbare Wildtiere finden? Dem Imperativ »Stay on the path« ist gemäß jugendlichem Pflichtbewusstsein demnach gerade eben nicht Folge zu leisten – in der großen Hoffnung, sich bald selbst etwas mehr spüren zu können. Wir als Spielende sind dabei vorrangig Zuseher als Auftragsgeber und begleiten die Mädchen auf ihrer existentiellen Entdeckungsreise.
Staunen statt Schwitzen
Wer das Gefühl kennt, in virtuellen Spielräumen zu wenig Zeit zum Bewundern der Umgebung zu haben, weil immer irgendwelche Monster, Aufträge oder Countdown-Zähler stören, wird "The Path" trotz seines verhältnismäßig kleinen Umfangs genießen. Das belgische Designer - Duo Tale of Tales, das bereits seit 2002 die Art - Games - Szene belebt, hat den Wunsch vieler Spielender erkannt und nicht nur eine frei erkundbare Welt vorgegeben, sondern diese auch mit einem Minimalgerüst an Regeln versehen – (fast) frei von Missionszielen, Punktestand und Lebensanzeige.
Das sorgt dafür, dass die sechs Mädchen ihre Eindrücke und Erlebnisse ohne Barrieren und Ablenkungen durchleben können – und wir mit ihnen. Wir finden mysteriöse Gegenstände, erforschen blumenübersäte Lichtungen und moosbewachsene Ruinen und sehen wahlweise mit großen, staunenden Augen oder verachtungsvollem Desinteresse dem unbekannten Waldmädchen im weißen Kleid nach, das dann und wann wie eine lebende Wanderkarte durch die verschlungenen Waldstücke huscht und unsere einzige Chance ist, wieder heil zum Weg zurückzukehren.
Schrecken und Schönheit
"The Path" ist als interaktive Neu-Interpretation von Rotkäppchen eine Symbiose von interaktiver Geschichte und Spiel. Jedem Spielanlauf ist gemein, dass man sich mit einem der gewählten Mädchen im verwunschenen Wald verläuft. Doch wo kommt es an? Beim verlassenen Theater, dem ausgebrannten Auto oder am nebeligen See? Wo findet es ihr ganz persönliches Trauma?
Fest steht nur: Erwachsen werden ist kein Kinderspielplatz. Das schmerzhafte Lossagen vom geschützten Raum der Kindheit, die erwachende Sexualität und das Erkennen zwischenmenschlicher Untiefen verschmelzen zu einem metaphorisch-poetischen Horrortrip, der in surrealen Alpträumen in Großmutters Haus endet. Teenage Angst für die Gamer Generation.
"The Path"
Plattform: PC
Hersteller: Tale of Tales