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Little Computer People
Das Leben kann ganz schön kompliziert sein: Endlich hat es Joe, der neurotische Gitarrist mit Rockstarambitionen, geschafft, die scharfe Nachbarin zum heißen Techtelmechtel auf dem Bett rumzukriegen, da kommt seine jähzornige Angetraute von der Arbeit am Polizeirevier nach Hause – das gibt Zoff. Die Kinder spielen im Garten fangen, statt Hausaufgaben zu machen, das schmutzige Geschirr vergammelt in der Küche, die Dusche ist schon wieder defekt, und eigentlich würde sich der Westentaschen-Monk Joe am liebsten sofort dreimal hintereinander die Zähne putzen – willkommen im ganz normalen Wahnsinn von "The Sims 3".
Die virtuelle Seifenoper
"The Sims" ist ein Ausnahmespiel und ein Phänomen: 100 Millionen verkaufte Exemplare machen die Reihe von Electronic Arts zur erfolgreichsten Spieleserie der Welt. Die eigentliche Glanzleistung allerdings ist ihre Breitenwirksamkeit: Es gibt wohl kein Stück Unterhaltungssoftware, das von so unterschiedlichen Menschen heiß geliebt wird, vom Hardcore - Gamer bis zur ansonsten alle Computerspiele verweigernden Oma. Seit dem Start der Reihe im Jahr 2000 fesselt der clevere Mix aus Lebenssimulation, Seifenoperncharme und Inneneinrichtungsbaukasten die Fans an ihre Rechner. Kleiner Warnhinweis: Bei der Perfektionierung des Lebens seiner Sims vergisst so mancher Fan schon mal gern selbst aufs Zähneputzen oder Schlafen.
Spaßige Sozialsimulation und charmante Wundertüte
Am bewährten Erfolgsrezept haben sich im dritten Teil nur Details geändert: Man erstellt im umfangreichen Editor einen oder mehrere Sims nach Belieben, stattet sie mit Eigenschaften und Lebensziel aus und zieht in ein vorerst bescheidenes Heim in der Kleinstadt, um seinen Schützlingen Karriere, Familienglück und sonstige Träume zu verwirklichen. Auch abseits der Turbokarriere samt immer teurer werdendem Spielzeug können die inzwischen selbstständig sinnvoll agierenden Sims ihr Glück finden, etwa als Herzensbrecher mit Marathonlaufambitionen, Bestsellerautor oder Familienmensch mit Teilzeitjob im Buchladen.
Laufend ergeben sich neue kleine Herausforderungen und Gelegenheiten, und auch der (abschaltbare) virtuelle Tod der kleinen Hedonisten bedeutet nicht unbedingt das Ende – der trauernde Nachwuchs trägt die Familienstaffel weiter, und auch das Jenseits lässt unter Umständen mit sich verhandeln.
Die auffälligste und willkommenste Neuerung in "Sims 3": Endlich können sich die Sims auch abseits ihres Grundstücks in ihrer Stadt frei und in Echtzeit bewegen, jederzeit zu ihren Nachbarn spazieren, Geschäfte, Parks und Strandparties besuchen oder ganz einfach durch die Stadt zur Arbeit joggen. Das neue Eigenschaftssystem samt ganz individuellen Wünschen und Lebenszielen macht die virtuellen Kleinstadtbewohner noch lebendiger und individueller, und sinnvolle Detailverbesserungen wie das neue Inventar samt Handy und erweiterte Optionen am virtuellen Arbeitsplatz lassen die Sozialsimulation noch spaßiger werden.
So werden Sims - Fans buchstäblich Wochen brauchen, um alles zu entdecken, was diese charmante Wundertüte noch in petto hat – und erfahrungsgemäß läuft der Experimentierkasten Sims auch nach der "Alter - Ego" - Phase nochmals zur Hochform auf.
Für den Whirlpool zahlen
Electronic Arts hat offensichtlich aus seinen Fehlern bei "Spore" und "Mass Effect" gelernt und verzichtet auf das ungeliebte DRM, allerdings lockt eine Online-Registrierung mit Anbindung an die Community, einer Tauschbörse für nutzererstellte Objekte und einem Shop. Hier zeigt sich auch der einzige Wermutstropfen des ansonsten fast nur perfekt zu nennenden Spiels: Wer als Sims - Veteran die Objektvielfalt der gesammelten Addons gewohnt ist, wird in "Sims 3" viele liebgewonnene Gegenstände und Aktivitäten (Billardtisch! Whirlpool!) vermissen, die sich Electronic Arts natürlich per kommenden Erweiterungen oder Kauf im Online - Shop extra bezahlen lassen wird. Trotzdem: Für bereits Sims - Süchtige wie auch Neueinsteiger führt kein Weg an "The Sims 3" vorbei.
"The Sims 3"
Plattform: PC/MAC
Hersteller: Electronic Arts