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Bayonetta
Action-Game-Heroinen lassen sich an einer Hand abzählen. "Tomb Raider" Lara Croft fällt da nach wie vor als erstes in den Sinn, Samus Aran aus der "Metroid"-Saga und Nariko aus "Heavenly Sword" sind geläufig und im Hinterstübchen der Erinnerung schwingt auch vielleicht noch Julie aus "Heavy Metal: F.A.K.K." ihr Hackebeil. Allesamt repräsentieren sie Wunschvorstellungen ihrer vorwiegend männlichen Erschaffer, die alle nicht herumkommen eine Powerfrau auch als Sexbombe zu charakterisieren. Es verwundert nicht, dass ausgerechnet Hideki Kamiya nun den Vogel abschießt. Der Erfinder des Hack-&-Slash-Spektakels "Devil May Cry" hat nicht nur eine ganz eigene hochstilisierte Vorstellung von fiktiver Gewalt, sondern beweist nun mit "Bayonetta" auch, dass er die weibliche Sexualität am liebsten auf Steroiden tanzen lässt. Die gleichnamige Heldin ist eine großgewachsene, für das männlichen Auge erregend "umproportionierte" Hexe in Leder. Die Absätze ihrer Highheels bilden Pistolen, in ihren Händen hält sie ebenfalls nur Großkalibriges. Würden explizite Kameraeinstellungen nicht immer von der recht fantasievollen Geschichte zweier verfeindeter europäischer Clans und Paralleldimensionen ablenken, verstünde man vielleicht, weshalb sie in gar exquisiter Manier Sensen schwingende Engel peinigt. Gut, das ist zu kritisch: Eigentlich geht es nur ums gekonnte Buttom-Smashing und die Beseitigung fieser Monster. Die Inszenierung ist "over the top": Trällernde Sounds unterlegen akrobatische Martial-Arts-Einlagen. Umso ausgefeilter die Combos, desto irrwitziger das Schauspiel. So werden Bayonettas Haare zu prügelnden Dämonen und per Zauberspruch werden Engelswesen in Eisernen Jungfrauen zermalmt. Es sprüht, es glitzert und kulminiert in der obligatorischen Zeitlupe. Die abfallenden Heiligenscheine dürfen frei nach Sonic the Hedgehog eingesammelt und gegen Waffenupgrades getauscht werden. Fans der Japan-Prügelspiele werden sprichwörtlich und sehr linear zum Höhepunkt gezwungen, westlicher konditionierten Spielern könnte alles etwas zu viel werden. (8/10)
Hersteller: Sega/Platinum Games
System: Playstation 3, Xbox 360