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Samba de Amigo
Videospiele und Musik: Eine Gemeinschaft, die in den letzten Jahren nicht nur Spielende, sondern vor allem die marode Musikindustrie und die nach immer größeren Umsätzen gierenden Games-Konzerne glücklich gemacht hat und weiterhin im Aufwind ist. Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Das neue "SingStar", das nächste "Rock Band" und "Guitar Hero" jetzt mit noch mehr Instrumenten und weiteren fünf Dutzend Songs! Als ob uns nicht nur diese permanente Überfütterung schon langsam beginnt, auf die Nerven zu gehen, schwingt dabei noch eine weitere, penetrante Strömung mit: Die der Klone und Neuauflagen.
"Samba de Amigo" war im Jahr 2000 Pionierarbeit. Ein Game, das anstatt eines üblichen Controllers mit eigenen Sambarasseln aus Plastik gesteuert werden konnte. Das war so ungewöhnlich wie aufregend. Dementsprechend jubelnd waren die Rezensionen zum Spiel. Über acht Jahre später und das selbe Game – neu veröffentlicht für Nintendo Wii - steht vor dem Problem der eigenen Stagnation. Musikspiele haben sich stark weiterentwickelt, sind in ihrer Struktur komplex, bei der Steuerung präzise und in Bezug auf Spielbarkeit höchst intuitiv geworden.
Alles Eigenschaften, die das vergleichsweise rührige Rhythmusspielchen mit den nachgebildeten Maracas nicht von sich behaupten kann. Mit der Wiimote und dem Nunchuck-Controller bzw. optionalen Spielerasseln wird in der Luft herumgewirbelt. Der Bewegungssensor erkennt, in welche der sechs möglichen Richtungen wir schütteln. Damit wir nicht das nervöse Händchen bekommen, dürfen wir statt des Rasselns hin und wieder auch bestimmte Posen nachstellen. Abgesehen davon, dass sich die Abwechlsung dadurch trotzdem in Grenzen hält, ist im Eifer des Gefechts eine präzise Ansteuerung der Positionen unmöglich – was dazu führt, dass man nach einiger Zeit übergeht, von der beschwingten Tanzstellung in eine aggressive Boxerpose zu verfallen, besessen von der Idee, das Spiel korrekt zu spielen.
"Samba de Amigo" im Jahr 2008 ist der beste Beweis für die Tatsache, wie toll aktuelle Musikgames wirklich sind und dass das Wiederbeleben alter Hadern nicht immer eine gute Idee ist. Wer die Wii-Rasselei in ein bis zwei Jahren für lau in der Wühlkiste entdeckt, darf zugreifen und zu später Partystunde damit kurze Zeit Spaß haben. Ansonsten: Lieber wieder nach der Plastikgitarre greifen und weitershredden! (4/10)
System: Wii
Hersteller: Gearbox Software / SEGA