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The Importance Of Being Irish
Es riecht nach den abgestandenen Bierresten der letzten Nacht. Der Boden ist klebrig. Die Einrichtung wirkt etwas vermodert. Und doch – oder vielleicht gerade deswegen – strahlt alles eine gewisse Gemütlichkeit aus. Ein langer hölzerner Tresen, dahinter ein Zapfhahn neben dem anderen, ein Regal voller Spirituosen. Barhocker, ein paar klapprige Bänke und dazupassende versiffte Tische. Und das hat einen Wohlfühl - Faktor? Vielleicht ist es das Flair aus vergangenen Zeiten …
Es heißt, es ist der "Craic", der Irish Pubs zu dem macht, was sie sind. Craic (in gälischer Schreibweise) ist das irische Wort für Freude, Vergnügen.
Sich - Gehenlassen, fröhlichen Unfug – zumeist im Kontext mit Trinken und Musik – und war früher oftmals auf handgeschriebenen Schildern vor Pubs zu lesen. Es steht für das fröhliche "Irisch - Sein", auch wenn Kritiker es nicht wirklich als Tradition, sondern vielmehr als geschickte Marketing-Strategie ansehen. Was wohl aber auch damit zu tun hat, dass St. Patrick’s Day tatsächlich seit den 1990ern genutzt wird, um Irland und seine Kultur zur Schau zu stellen. Aber auch schon lange bevor die Regierung diesen Entschluss fasste, feierten Iren wie Nicht-Iren weltweit diesen Tag.
"The wearing of the green"
Chicago färbt seinen Fluss grün ein, die irische Garde trägt Kleeblätter, und Metropolen von Boston bis Frankfurt, von Johannesburg bis Peking veranstalten kilometerlange Paraden und ausgelassene Straßenfeste. Und auch in den Pubs hierzulande wird inzwischen bis in die frühen Morgenstunden zelebriert. Üblicherweise am 17. März, in Gedenken an St. Patrick, einen Nationalheiligen der Iren. Nur im letzten Jahr musste das Fest verschoben werden, da der Festtag genau in die Karwoche fiel. Und sollte sich Paddy’s Day noch weiter so verbreiten, so wird er auch bis 2160 ungehindert an diesem Tag die Welt in ein sattes Grün tauchen. Grün wie die Kleeblätter.
Ursprünglich wurde das Fest ja mit der Farbe Blau assoziiert, da aber St. Patrick mithilfe eines dreiblättrigen Kleeblattes den Menschen die Heilige Dreifaltigkeit näher brachte, verbreitete sich der Brauch, selbige anzustecken – "the wearing of the green" also. In Nordamerika ist das inzwischen ebenso Tradition wie in Irland selbst. Bereits vor knapp 250 Jahren hielten irische Soldaten eine Parade in New York City ab. Später, in Zeiten der Hungersnot, immigrierten über eine Million Iren – und mit ihnen kamen ihre Traditionen, ihre Brauchtümer und ihre Pubs.
Tradition oder doch "irish theme pubs"?
Grob gemeißelte, schlichte, hölzerne Einrichtung, steinerne Wände, ein loderndes Kaminfeuer. Ein willkommener Ort für all die Händler, die mit ihren Karren durchs Land ziehen, für die Arbeiterklasse und all jene, die ein wenig unter die Leute gehen, Musik, Sang und Trank genießen wollen. Die Irish Pubs des Mittelalters waren sicherlich kein Ort für Zartbesaitete, aber Orte der Geschichten und Legenden. Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten noch. Als im 19. Jahrhundert unter britischer Herrschaft Pubs illegal wurden, waren sie der Platz der Freigeister, der Rebellen und Untergrundbewegungen.
In diesen Zeiten war ein Pub gleichzeitig auch ein Geschäft. Und abends stand das gemeinschaftliche Musizieren im Vordergrund – kein vorgefertigtes Programm, keine "Open Stage" wie heutzutage – die Gäste selbst waren die Aktiven. Vor allem durch den Tourismus hat sich da inzwischen einiges geändert, soll das Angebot schließlich der Nachfrage entsprechen, doch haben die Irish Pubs dieser Welt es irgendwie geschafft, sich einen Hauch von damals zu bewahren. Und auch wenn es regionale Unterschiede gibt und vielerorts kommerzialisiert wird, so erkennt man einen Irish Pub doch überall. Und nicht zuletzt wegen seiner Getränkekarte.
"A pint of plain is your only man"
Man könnte denken, es sei schwarz, so dunkel ist es. Eine besonders dunkle Nuance Rubin ist es bei genauerer Betrachtung. Der Schaum cremig und fest. Mit einem leichten Geschmack von Angebranntem. Guinness kennt man, Guinness erkennt man. Und so widmete schon der irische Schriftsteller Flann O’Brien sein Gedicht "The Workman’s Friend" dem sogenannten "pint of plain". Seinen eigentümlichen Geschmack erhält das Guinness zum einen durch geröstete Gerste, zum anderen weil neben Kohlensäure auch Stickstoff verwendet wird. Deshalb ist auch der Schaum so cremig.