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Ein guter Nährboden
Niall Stokes kann seinen Stolz nicht verhehlen: Eben hat der Chefredakteur des wichtigsten irischen Musikmagazins Hotpress das neue "Yearbook", eine Branchenbibel für die Musikwelt der Insel, veröffentlicht. Auf 320 Seiten sind darin 7.000 Adressen verzeichnet, darunter allein 150 Aufnahmestudios und unzählige Kontakte zu Bands, Bands und nochmals Bands. Nicht schlecht für ein Land, das inklusive Nordirland knapp sechs Millionen Einwohner zählt.
"Irland ist der außergewöhnlichste Nährboden für Rock ’n’ Roll" – diesen Satz hörte Stokes zuletzt vom Sänger der Band The Aftermath aus Mullingara, einen der vielen neuen Indie - Acts, die in den letzten Jahren aus unscheinbaren irischen Städtchen hervorgegangen sind. "Die Szene war früher in Dublin konzentriert, nun sieht man einen Anstieg der Aktivität in ganz Irland", erklärt der Musikjournalist.
Zunehmend neue Stilrichtungen
Irische Indie - Musiker leben in vieler Hinsicht das Do - It - Yourself - Ethos vor, das in MySpace - Zeiten zur Norm geworden ist. Iren scheiterten zwar nie an den Sprachbarrieren, die Acts von anderswo den Weg in die Rockwelt verbauen, vom Standpunkt der großen Zentren London oder New York aus war Irland aber stets Peripherie. Dass einige Künstler – allen voran U2, Van Morrison und Sinéad O’Connor – früh den Sprung zu weltweitem Ruhm geschafft haben, wirkt bis heute nach, meint Stokes: "Es gibt das Bewusstsein, dass man potenziell Großes erreichen kann."
Bands wie die Hothouse Flowers oder Snow Patrol setzten die U2 - Tradition melodischer Rocksongs fort, daneben kamen zunehmend neue Stilrichtungen ins Spiel: The Divine Comedy eroberten Mitte der 90er die Indie - Welt, Chris Morrin alias Robotnik profilierte sich mit charmantem Lo - Fi - Pop, die nordirischen Rocker The Answer schafften es zum Support - Act auf der aktuellen Tour von AC/DC, und die afro - irische Sängerin Laura Izibor wird mit ihrem puren R&B in den USA als Kandidatin für den großen Durchbruch gehandelt.
Selbstgebaute Strukturen
Während Izibor ein großes Label im Rücken hat, vertrauen die meisten irischen Indie - Acts auf selbstgebaute Strukturen. The Frames zeigten 2001 mit ihrem Album "For The Birds" vor, wie’s gehen kann: Sie veröffentlichten das Werk auf ihrem eigenen Label, tourten unermüdlich und stiegen bald zu nationalem Superstar - Status auf. "Das brachte die Leute von der Idee ab, dass es das Wichtigste ist, gesignt zu werden", sagt Stokes.
Damien Rice legte 2002 mit "O" einen weiteren Indie - Hit nach, seine damalige Background - Sängerin Lisa Hannigan gilt seit ihrem Soloalbum "Sea Sew" (2008) als nächste große Entdeckung. Mit Songwritern wie David Kitt, Electro - Pop - Acts wie Jape, der im September auf Einladung von TBA zwei Shows in Österreich spielen wird, und schrägen Soul - Acts wie Republic of Loose hat heute eine Musiker - Generation die Bühne erobert, bei der es fast unmöglich ist, einen "typisch irischen" Sound zu definieren. Obwohl, ein wenig Wahrheit ist an der Idee von der melodieseligen, melancholischen irischen Seele schon dran, findet Niall Stokes: "Musik war immer schon ein wichtiger Teil im Leben der Iren.
Es gibt eine lange Tradition, bei Partys zu singen und Geschichten zu erzählen. Das Interesse an Livemusik ist überdurchschnittlich hoch. Und die Leute erkennen den Wert der Kreativität stärker an als früher."