|
|
| |
Persepolis: Die Revolution der Kulleraugen
Klein Marjane liegt mit ausgebreiteten Armen auf dem Bett. In der Dunkelheit ihres Kinderzimmers strahlt sie hell wie ein Engel. Neben ihr liegen zwei wei�e Schw�ne. Ihr Onkel Anusch hat sie im Gef�ngnis aus Brotbr�seln geformt, bevor er hingerichtet wurde. Von der Zimmerdecke brummt ein alter Mann mit langem Rauschebart herunter und will die todtraurige Marjane tr�sten. Aber die will nichts mehr von ihm wissen. �Ich will dich nicht mehr sehen!�, schreit sie Gott entgegen. �Hau ab!�
Wir sind es l�ngst gewohnt, dass unsere Kinohelden es stets mit den ganz gro�en Gegnern aufnehmen. Mit dem Erzb�sen, dem Rest der Welt oder auch mal mit Gott. Superhelden kleben an jeder Wand, Mutanten sitzen in der Regierung, fantastische Gr�ppchen surfen um die Skylines und durch U-Bahnz�ge. In den letzen Jahren haben wir bis zum �berdruss Comicverfilmungen gesehen, die mit einem gewaltigen Special-Effects-Brimborium protzten und die einst gezeichneten Helden m�glichst in Superstarbesetzung Fleisch und Blut werden lie�en. Und pl�tzlich blinzelt zwischen all diesen martialischen Charakteren ein kleines M�dchen mit Kulleraugen von der Kinoleinwand. Ganz schlicht in schwarz-wei�, fl�chig gezeichnet und doch vom ersten Moment an r�hrender und lebensnaher als all diese anderen Mensch gewordenen Comicfiguren zusammen.
Das kleine M�dchen hei�t Marjane Satrapi und stammt aus dem Iran, genau so wie seine Erfinderin. Denn Marjane Satrapi erz�hlt in �Persepolis" ihre eigene Lebensgeschichte. Als Kind will sie Prophetin werden und das B�se aus der Welt verbannen. Doch 1979 kommt ihr die islamische Revolution im Iran und der folgende Bruderkrieg mit dem Irak dazwischen. Sie w�chst zwischen Kopftuch, Iron-Maiden-Kassetten und Bombenalarm auf und entwickelt sich zu einem derart kritischen Geist, dass ihre Eltern sie mit 14 aus Angst vor den Revolutionsw�chtern lieber ins Exil nach Wien schicken. Dort zerbricht sie fast an ihrer Isolation und einer gescheiterten ersten Liebe. Zur�ck in Teheran kuriert sie ihre Depression, studiert Kunst und erkennt, dass sie unter der islamischen Herrschaft auf Dauer nicht leben kann. Schlie�lich emigiert sie nach Frankreich, wo Marjane Satrapi auch heute noch lebt.
In autobiografischen Comic-B�chern hat Satrapi diese Geschichte �ber ihre Kindheit in Teheran und die schwierige Jugend in Wien in einfache Bilder gefasst und damit einen so gro�en wie unerwarteten Erfolg gelandet. Die �Persepolis�-B�nde wurden mehrfach ausgezeichnet, inzwischen in 25 Sprachen �bersetzt und verkauften sich �ber eine Million mal. Zum Gl�ck hat sich Satrapi nun entschieden, ihre Geschichte gemeinsam mit dem befreundeten franz�sischen Comiczeichner Vincent Paronnaud selbst auf die Leinwand zu bringen - ganz ohne farbenpr�chtige CGI-Explosionen oder Hollywood-Superstars. Denn nat�rlich wurde auch Satrapi angeboten, ihre Geschichte mit realen SchauspielerInnen verfilmen zu lassen. �Mir wurden sogar Projekte wie ein Film mit Jennifer Lopez als meiner Mutter und Brad Pitt als meinem Vater angeboten! Das war schon verr�ckt!�
Der Schah, Bruce Lee und Iron Maiden
Auch Biopics haben wir in den letzten Jahren bis zum �berdruss gesehen. Mit �Persepolis� l�uft nun gleich ein doppelter an - mindestens: ein Biopic �ber Marjane Satrapi und �ber den Iran. Und nebenbei an die 600 weitere Charaktere, deren Lebensgeschichten manchmal nur gestreift, manchmal aber auch liebevoll und detailreich nacherz�hlt werden.