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Die Sache mit Bob Dylan
Das macht dann 2.900 Euro.� Der Mann im Kartenb�ro des Linzer Brucknerhauses sagte die Wahrheit. Mir, weil ich in Linz geboren wurde, war die Aufgabe zugefallen, die Tickets f�r die Sternfahrt zum Neil-Young-Konzert im Brucknerhaus zu organisieren. Der Kartenpreis war lang vergessen, als wir dann am 4. Mai 2003 vor ihm sa�en. Augen, Ohren und Herzen auf Empfang gestellt. Der gro�e Neil zum Greifen nahe. Solo mit den Songs von �Greendale�, dieser so engagierten wie merkw�rdigen Gratwanderung zwischen Genie und Scharlatanerie. Die in dieser Form, mit dem sonst so legend�r schweigsamen Mister Young, der uns zwischen den Liedern die Geschichte und handelnden Personen von �Greendale� erz�hlend n�herbrachte, ganz sch�n viel Sinn machte.
Stunden sp�ter wurde wortreich und hitzig diskutiert, drau�en vor der Stadtwerkstatt, wo es gerade schon warm genug war in diesem Mai, um im Freien zu sitzen. Wer ist denn nun wirklich der Allergr��te? Allerwichtigste? Dylan oder Young? Are you a Dylan-man oder ein Young-man? So einen inhaltlich wie formell naiven Schei�, wie das, was uns Neil da gerade vorgesetzt hatte, w�rde Bob niemals machen, meinte ein zu unserer Runde gesto�ener US-Amerikaner. Dessen Konzertbesuche beider gro�en, alten Musikv�gel eigenen Berichten zufolge in die Hunderte gingen. Er geh�rte trotzdem zu gleich zwei unertr�glichen Menschengruppen auf einmal.
Da ist genug Dylan da f�r alle, nicht der Mensch wohlgemerkt, sondern die Songs, die Musik, das Werk.
N�mlich waschechter �Ami� (meint eine spezielle Gattung US-Amerikaner, die tats�chlich glauben wirklich alles zu checken und daraus kein Hehl machen) und � fast noch schlimmer � Musik-Experte mit Spezialgebiet Dylan. Er hob dann zu einem Redeschwall an, der bei solchen Gelegenheiten gerne jemandem entweicht. Seine intellektuell k�hne, tief empfundene und sorgf�ltig abgewogene Analyse, die er mit einer wahren Streitmacht von Nebens�tzen und Ausschm�ckungen, die allf�lligen Widerspruch als l�ngst mitgedacht und verworfen niederwalzen sollte, begleitete, gipfelte in der zweiteiligen Gleichung Dylan = Hirn und Neil = Herz. Fuck me! Get a life! Schwachsinn!
Essenzielle Klassiker und die leichte Muse
In unserem Haushalt leben 21 Tontr�ger von Bob Dylan. Drei essenzielle Klassiker � �Highway 61 Revisited�, �Blonde on Blonde� und �Blood on the Tracks� � sind da. Ein Album aus der umstrittenen christlichen Phase, �Saved�. Ein gern geschasstes, �Self-Portrait�. Das oft diskutierte, �Street-Legal�. Das eine, das ich wirklich viel geh�rt habe, �Desire�. Ein neueres, �Love & Theft� aus dem unseligen Jahr 2001. Eines f�r alle F�lle, �The Ultimate Collection�. Die von Greil Marcus, dem es nicht zu bl�d war ein ganzes Buch �ber den Dylan-Song �Like a Rolling Stone� zu schreiben, so herrlich mystifizierten �The Basement Tapes� (das ewige, alte, wilde Amerika) als Doppelalbum, unweit von einigen The-Band-LPs, jener gro�en Formation, mit der Dylan besagte Tapes eingespielt hat.
Die Traveling Wilburys stehen f�r die leichte Muse, w�re da nicht die verfluchte Eighties-Produktion � trotzdem ganz gro�e Kunst. �The Byrds Play Dylan� steht in der N�he, von meiner seligen Gro�mutter f�r den ein ungesundes Musikinteresse entwickelnden Enkel in einer Linzer Meki-Filiale besorgt und vielleicht deswegen jene Sammlung von Dylan-Songs, zu der ich die gr��te emotionale Bindung versp�re.
Niemand in unserem Haushalt w�rde sich als Dylan-Fan bezeichnen oder � bewahre! � gar als Dylan-Experten, wir h�ren ihn einfach manchmal sehr gerne. Nach dem Genuss von Martin Scorseses meisterlicher Dokumentation �No Direction Home� im Gartenbaukino hatten unsere Dylan-Tontr�ger eine Zeit lang ganz sch�n was zu tun, aber das legte sich wieder. Und wird wieder kommen.