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Ladytron: Reum�tige Geister
Stillstand ist ihre Sache nicht. Daniel Hunt, Helen Marnie, Mira Aroyo und Reuben Wu sind in Bewegung, im �bertragenen wie im eigentlichen Sinn, tragen unerm�dlich ihre Vorstellung von Musik in die Welt und gehen weiter, weiter, weiter. Anfang der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts, als Electro-Clash in aller Munde und eigentlich bereits am Abklingen war, erschienen Ladytron mit ihrem Deb�t "604" auf der Bildfl�che: elektronische Melancholie f�r den Club, aber auch f�r die eigenen vier W�nde, tanzbar, mittels Korg MS20 und anderer, selbstverst�ndlich analoger Synthesizer zubereitet, auf der B�hne uniformiert und unbeweglich wie unwiderstehlich dargeboten. Die Referenzen an die 80er waren offensichtlich, nur: In Wahrheit haben die ja doch anders geklungen.
Dunkelheit, Eisesk�lte � und mehr
Ende 2002 mit "Light & Magic" dem Titel widersprechend die Hinwendung zur Dunkelheit, 2005 mit "Witching Hour" schlie�lich: Eisesk�lte; allerdings eine verf�hrerische, mit tonnenweise Hall und Shoegazer-Gitarren angereicherte. Und Hits, die weniger den Schwei� auf die Stirn zu treiben vermochten als das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. In die Grufti-Ecke lie� sich die Band dennoch nicht stellen. �brig blieb die Frage: Wie wollen die das noch toppen?
Die Antwort gibt der Geschwindigkeitsbringer, hei�t das neue Werk doch "Velocifero". Ist Lucifer der Lichtbringer, so ist Velocifer(o) zumindest der Band zufolge derjenige, der das Tempo liefert. Dass Ladytron nun aber keineswegs Speed-Orgien feiern, versteht sich irgendwie von selbst. Mithilfe der Co-Produzenten Alessandro Cortini (einst Keyboarder bei den Nine Inch Nails) und Vicarious Bliss (Ed Banger Records) wird der eingeschlagene Weg konsequent weiterverfolgt: mit den Einfl�ssen Mantronix, Os Mutantes, Grace Jones, My Bloody Valentine oder Lee Hazelwood im Hinterkopf, Vintage-Synthesizern galore und hin und wieder vor sich hinrauschenden Gitarren.
Dazu der distanzierte Gesang von Helen Marnie und Mira Aroyo, die es sich nicht nehmen l�sst, abermals zur Verbreitung ihrer Muttersprache beizutragen und mit "Kletva" eine Coverversion eines in einem Kinderfilm ihrer Heimat Bulgarien eingesetzten Songs zu singen.
Herumirrende Seelen
Dass sich einem auch die in englischer Sprache gehaltenen Tracks inhaltlich nicht sofort (oder gar nicht) erschlie�en, hat bei Ladytron Tradition. "There�s a ghost in me who wants to say I�m sorry / Doesn�t mean I�m sorry": Der Refrain der formidablen Single "Ghosts" etwa l�sst auf schuldbewusste, herumirrende Seelen schlie�en � auch wenn die Besessene mit deren Reue wohl wenig anzufangen wei�. Die Geister der Maschinen sind jedenfalls auf "Velocifero" allgegenw�rtig. Sie sind nicht mehr und nicht weniger als ein essenzieller Bestandteil der Musik des britischen Quartetts. Und tragen wohl mit zum vielschichtigsten und bis dato besten Album Ladytrons bei.