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Tomte: Das Spezifische und das Elementare
Thees Uhlmann ist Inspiration. Der 34-j�hrige Wahl-Berliner und Vater einer 16 Monate alten Tochter, macht, so wie er redet � reflektiert, unaufgeblasen, gescheit �, gro�e Lust auf Musik und aufs Leben. Locker transzendieren diese Qualit�ten des Musikers und Musikarbeiters (er ist Mitbetreiber des Labels Grand Hotel van Cleef und steht der Band Kettcar so nahe, dass man ihn getrost als deren sechsten Mann bezeichnen kann) jenen Hauch von Depression, der durch das B�ro des �sterreichischen Vertriebs seines Labels weht; einem Ort, an dem man wei�, dass die goldenen Zeiten definitiv vorbei sind.
"Antizyklisch" k�nnte ein Wort sein, dass man mit dem Wirken des Thees Uhlmann verbindet. Mit seiner Band Tomte und deren deutschsprachiger Musik, die sich inhaltlich und emotional aus dem Fenster lehnt � aber so richtig, nicht nur f�r die Kameras �, beginnt er zu einer Zeit Erfolg zu haben, in der ansonsten der gro�e Schwachsinn die Musik zu regieren scheint, beginnt Grand Hotel van Cleef zu brummen, w�hrend allerorts der gro�e Niedergang beschworen wird.
Erstaunlich frisch, fast wie neu
Seit Anfang der 90er entwickeln Tomte, deren personelle Konstante Uhlmann ist, ihre Musik aus Punk- und Hardcore-Wurzeln zu einem runden, meist melancholisch durchzogenen (Indie-)Pop-Entwurf, dessen Charme und Klasse sich �bergreifend erschlie�t � das letzte Album "Buchstaben �ber der Stadt" stieg auf Platz 4 der deutschen Charts ein. "Heureka" kultiviert die bisherigen Errungenschaften in zw�lf neuen Liedern und klingt dabei erstaunlich frisch, fast wie neu. Das mag mit dem Personalkarussell der Band zu tun haben. Damit, dass die Mitglieder Tomtes, obwohl sie geistig in Hamburg verortet werden, gro�teils in Berlin leben ("Wie sieht�s aus in Hamburg" hei�t einer der neuen Songs). Oder mit der Erleichterung, dass die Band noch beziehungsweise wieder funktioniert � Uhlmann: "So eine Band kann ja auch scheitern."
An dritter Stelle kommt auf dem neuen Album mit "Der letzte gro�e Wal" ein ganz erstaunlicher Song. "Das war so ein Tomte-Old-School-Riff und dann haben wir diesen 'Joshua Tree' - Bass dazu gemacht." Magisch wird dieses perfekte St�ck Pop-Musik durch einen Text, der m�helos das Spezifische ("Und es kommt aus dem Osten eine Kaltfront / Von der sich noch Generationen erz�hlen") mit dem Elementaren ("Du stellst dir vor / Dass in allen Winkeln der Welt Menschen wohnen / Und nur durch die L�ngen der Schatten unterschiedlich sind") verbindet. Der Diamant eines gl�nzenden Albums.
Das Klischee vom Erwachsenwerden weist Thees Uhlmann von sich � "Abgekl�rt? Nie!" � und spricht davon, dass er im Bewusstsein, "wie gut, gl�cklich und privilegiert" er leben und arbeiten kann, diesmal textlich verbl�ffend dunkel geschrieben hat, letztlich um eine Frage kreisend: "Was ist es in sich selbst?" Als Antwort darauf gibt�s mehr t�towiertaugliche Zeilen und mitsingbare Alltagsmantras, als man bei Tomte zu erhoffen gewagt h�tte.