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The Killers: noch größer, noch poppiger
Die Konversation, die den Schreiber dieser Zeilen erkennen ließ, dass Brandon Flowers nicht ganz der Musikfan im englischen Stil ist, den er gern vorzugeben pflegt, drehte sich um ein T-Shirt. Dieses saß knalleng am Oberleib des Sängers und Posterhelden, der gerade seine Schnauzerphase durchlebte. Es zeigte das Cover der Stones-Platte "Some Girls", und wir schrieben den Juni 2006, einige Monate vor dem Erscheinen des den Killers - Stil vermeintlicherweise definierenden Albums "Sam’s Town".
Ob das Stones-Shirt ein Statement sei, oder bloß das einzig saubere Kleidungsstück, wollte ich wissen: "Ich hab ein paar von denen", erklärte Flowers bereitwillig, "ich mag den Schnitt." Ob er denn dann in der existenziellen Frage "Beatles oder Stones?" auf der Seite der Stones zu liegen käme? "Ach, die beiden Bands sind ja völlig verschieden", entgegnete Flowers mit dem Ernst von einem, der den Sinn der Frage nicht versteht. "Die einen machten blues-orientierte Musik, die anderen, na ja, eben nicht. Es ist okay, beide zu mögen."
Schon. Aber gerade in England hat zumindest früher jede Band ihr genaues Plätzchen im sozialen Teppich gehabt. Sich auf die Seite der einen oder der anderen Band zu schlagen, brauchte nebst Instinkt auch Abwägung und eine gewisse Lebenshaltung. Die resultierenden Fehden wiederum machten enormen Spaß. "Jaja, ich weiß schon", erwiderte Flowers, ehe er mitleidig seufzte. "Weißt du, England ist ja sooo eine kleine Insel. Amerika hingegen ist ein riesiger Ort, von hier aus ist England so weit weg und so winzig, dass die Menschen für uns fast schon mystische Züge annahmen. Wir hätten uns natürlich nie mit den Dingen identifizieren können, mit denen sie sich identifizierten. Schau dir mal diese Arctic Monkeys an. Die singen über die Kultur am Ende ihrer Straße! Ein paar Amerikaner werden das kapieren. Mit dem Rest werden sie es da schwer haben."
Bier und Schwärmereien über Oasis
In der Sonne von Las Vegas sei er gesessen, sagt Flowers, und habe von den Smiths, New Order, Echo & The Bunnymen und dem Regen von Manchester geträumt. Eines Tages lernte er über eine Annonce den fünf Jahre älteren Gitarristen David Keuning kennen. Die beiden verbrüderten sich bei Bier und Schwärmereien über Oasis. Aus der lokalen Bar-Musikszene rekrutierten sie Drummer Ronnie Vannucci Jr. sowie Bassist Mark Stoermer, um gemeinsam den Sound der erwähnten britischen Bands an ihre eigene Vision von Musik anzupassen. Das resultierende Debütalbum "Hot Fuss" wurde zum Knüller. Wie so viele erfolgreiche Vorgänger hatte die Band allerhand Elemente diverser vergangener Stilrichtungen – die Songs bestanden zu ungefähr gleichen Teilen aus den Kinks, Depeche Mode und U2 – durcheinander geschüttelt und damit dem Zeitgeist vorgegriffen. Ganz zu schweigen vom multisexuellen Image des Sängers, dessen Make-up bei Rod Stewart und Marc Bolan ausgeborgt zu sein schien.
Der Erfolg kam zuerst in Großbritannien, wo solche Querverbindungen durch die Popgeschichte immer geschätzt werden. Ein Jahr nach dem Erscheinen von "Hot Fuss" gehörten die Killers zu den ganz großen Festival-Attraktionen. Bald folgte der zweite Schritt in Richtung Weltherrschaft, das Album "Sam’s Town". Zum ersten Mal in seinem Leben habe er während der Auslandtourneen der Killers die Vorzüge seiner amerikanischen Heimat richtig schätzen gelernt, erklärte Flowers. Offenbar hatten ihn insbesondere anti-amerikanische Gefühle, die ihm in Bars in Deutschland an den Kopf geworfen worden seien, zu einer Neueinschätzung bewogen: "Wenn man aus Kanada kommt, ist das okay, nicht jedoch, wenn man aus den USA stammt", sagt er heute. "Auf so etwas bin ich einfach allergisch. Es ist auch unfair. Wir leben in einem wunderbaren Land, und wir sind nicht die Regierung, sondern wir sind das Volk."