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Antony And The Johnsons
Äußere Schönheit ist vergänglich, innere kann ewig währen. Eine Binsenweisheit, gewiss, doch manchmal kommt sie deutlicher zum Tragen als sonst. Wirft man einen Blick auf das Cover der aktuellen Platte von Antony And The Johnsons, sieht man eine Aufnahme aus dem Jahr 1977, einen sich in Pose werfenden Mann namens Kazuo Ohno, der als zentrale Figur der japanischen experimentellen wie expressionistischen Tanztheater-Strömung Butoh gilt.
Kazuo Ohno ist heute 102 Jahre alt, er tritt immer noch auf, und es heißt, dass seine bloße Präsenz ein künstlerisches Statement sei. Auch bei Auftritten von Antony Hegarty kann man die Gegenwart dieses einstigen Vorzeige - Schmerzensmanns schier fühlen. Parameter wie Geschlecht, Hautfarbe, Alter treten, sobald er seine Stimme erhebt, in den Hintergrund – nicht umsonst bezeichnete er sich schon früh als "Transgender Kid" und stand somit außerhalb aller gesellschaftlich auferlegten Normen.
Zwischen den Geschlechtern
Das kann ein mühseliger, ein steiniger Weg sein. Sein Durchbruchswerk "I Am A Bird Now" aus dem Jahr 2005 war gewissermaßen eine Reise ins Innere des Künstlers, eine, die von Selbstzerfleischung, Unsicherheiten, vom Umgang mit Identitäten, dem Leben als Mensch zwischen den Geschlechtern und den Beziehungen zu anderen kündete. Mittlerweile scheint Antony mit sich selbst im Reinen. Nabelschau ist nicht mehr sein Sache, zumindest nicht mehr im selben Ausmaß wie in der Vergangenheit. Auf "The Crying Light" hat er überdies auf musikalische Gäste verzichtet (zuvor waren Lou Reed, Boy George, Rufus Wainwright oder Devendra Banhart als solche aufgetreten) und die Platte ist zurückhaltender in Ton und Duktus. "I need another world / This one's nearly gone", das ist keine Metapher, das ist purer Ernst, aufrechte Besorgnis. Und wenn sich jemand wie Antony um den Umgang mit dem Planeten, mit der Natur Sorgen macht, dann wirkt das nie kokett – man nimmt es ihm ab.