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Cognac, Zollbarrieren und Midlife Crisis
Die Europäische Union ist ungefähr so alt wie unsere Eltern. Nur hat sie keine Mutter, sondern zwei Väter. Franzosen noch dazu: Robert Schuman und Jean Monnet. Der nach dem damaligen französischen Außenminister Robert Schuman benannte "Schuman - Plan" wird von Jean Monnet, Geschäftsmann und Sprössling einer Cognac - Dynastie, entworfen und legt den Grundstein für die EU, wie wir sie heute kennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg will Monnet durch eine stärkere Kooperation der Schwerindustrie Westeuropas die Grundlage für Frieden schaffen.
Kohle, Stahl und Atomenergie
Aus diesem Plan geht 1952 die EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) hervor. Bemerkenswert daran ist, dass die ehemaligen Erzfeinde Frankreich und Deutschland in Sektoren zusammenarbeiten, die für die Produktion von Kriegsmaterial zentral sind: Energie und Stahl. Auch die Benelux - Länder und Italien sind Gründungsmitglieder.Der nächste Meilenstein auf dem Weg zur EU ist die Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). 1957 wird jenes Vertragswerk unterzeichnet, das der Entwicklung Europas in den nächsten 50 Jahren den Rahmen gibt. Drei Punkte sind besonders prägend: 1.
Das gemeinsame Ziel eines europäischen Marktes mit zunehmend einheitlichen Rechtssystemen und ohne Zollbarrieren; 2. die Institutionalisierung dieser Beziehungen und 3. der Erweiterungsgedanke, wobei sowohl neue Mitglieder als auch neue Kompetenzen für die EWG gemeint sind. Die Grundlage für ein facettenreicheres Warenangebot und einen erweiterten Europa - Horizont für Wirtschaft – aber auch für die Kultur – sind geschaffen. 1967 werden die EGKS, EWG und Euratom durch den Fusionsvertrag zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zusammengefügt. Mit der ersten Erweiterungsrunde 1973 erhält die EG drei neue Mitglieder: Dänemark, Irland und England. 1992 kommt es zum Vertrag von Maastricht und der Umbenennung der Staaten - Gemeinschaft in "Europäische Union". Österreich ist trotz des Widerspruchs seitens der FPÖ und der Grünen seit 1995 Teil der Runde.
Ungemein erleichternd für die wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der EU ist die Einführung des Euro im Jahr 1999 (2002 dann auch als Bargeld). 2007 folgt der umstrittene Beitritt von Rumänien und Bulgarien. Diskutiert wird im Rahmen der Erweiterung vor allem auch der Beitrittswunsch der Türkei. Eklatante Menschenrechtsverletzungen in diesem Land sind unter anderem ein Grund für die Türkei, in der Warteschlange zu bleiben. Nach einer 50 - jährigen Geschichte der Erweiterung wird 2007 der stark umstrittene und von kaum jemandem gelesene Vertrag von Lissabon unterzeichnet, um der EU ein neues Fundament zu geben, das Zuständigkeiten klarer regelt, Entscheidungen vereinfacht, aber auch Beitrittskriterien verschärft. Nach der gescheiterten Ratifizierung durch Irland ist noch unklar, wie es weiter gehen soll. Scheint so, als ob nicht nur unsere Eltern eine Midlife Crisis haben ...
europa.eu/abc/history/index_de.htm
de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Europ%C3%A4ischen_Union