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Der andere Sommer Sale
"Love and hate was in the air, like pollen from a flower / somewhere in April time, they add another hour", sang Bob Mould einst mit den großen Hüsker Dü. Zu einer Zeit, als US - Groß - Festivals wie Lollapalooza oder Coachella noch ferne Zukunftsmusik waren, ebenso wie Punk'n'Sport - Themenparks à la Deconstruction - Tour, weil die entsprechende Subkultur noch emsig damit beschäftigt war, ihre politische Wut und Ohnmacht in Rock - Against - Reagan - Trails durch das weite amerikanische Land zu artikulieren. Ronald Reagan ist mittlerweile mausetot, die Welt hat sich überhaupt weiterbewegt. Was Popmusik angeht, durchaus nicht nur zum Schlechten. Neben europa - und weltweiten Groß - Musikfestivals, die wie ein überdimensionaler Body - oder Headcount anmuten können – wieviele ZuschauerInnen, wieviele Bands an wie vielen Tagen auf wie vielen Quadratkilometern Festivalfläche mit wie vielen Nebenattraktionen? – gibt es auch Alternativen.
Allen voran die All - Tomorrow's - Parties - Sausen, die ihrerseits einen gar nicht blöden Reunionszirkus wirklich cooler, künstlerisch wichtiger Bands, denen der Aufstieg in die Megakommerzebene zum Glück oder leider zu ihrer Zeit nicht vergönnt war, befeuern. Wo Hüsker Dü, sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Herren Mould und Grant Hart ihre Differenzen je überwinden, hervorragend hinpassen würden. Und wovon zum Beispiel das Donaufestival im niederösterreichischen Krems profitiert und immer wieder mit Bands punktet, die für extremere künstlerische und ästhetische Positionen der Popmusik wichtig waren und sind. Im großen Bild, das Kapitalismus, konform längst der Ansicht (oder Einsicht?) gemäß agiert, dass "Kunst" mit der Anzahl ihrer BetrachterInnen an Substanz und Relevanz gewinnt, wird hingegen ganz anders programmiert.
Da verteilen sich Jahr für Jahr eine überschaubare Zahl von Headlinern – im deutschsprachigen Raum denkt man da fast unweigerlich an Metallica, Die Toten Hosen, Die Ärzte oder Die Sportfreunde Stiller – über die entsprechenden Festivals, wenn es ein wenig grooviger sein darf, kommen einem zum Beispiel Seed in den Sinn. Dahinter kommt ein ebenso überschaubarer Pool von Bands und Künstlern, die die folgenden Slots bespielen, mit gelegentlichen, noch überschaubareren Neueinsteigern, sensationellen Reunion - Touren/Maschen (Rage Against The Machine, Faith No More …) und gelegentlichen Ausfällen wegen Auflösung. Was dann in zehn, fünfzehn Jahren zur Reunion führt. Der Recycling - Kreislauf der Popmusik.
The times they are a-changin
Mit diesem Song hat der große Bob Dylan, seinerseits seit Ewigkeiten auf der Never Ending Tour, definitiv einen Nerv getroffen. Dylan ist übrigens eine der wenigen überlebensgroßen US - amerikanischen Musikikonen, die nicht in Woodstock gespielt haben. Jenem Woodstock, das man getrost als Über - Mutter und - Vater aller Pop/Rock - Musikfestivals westlicher Prägung bezeichnen kann. Ein Haufen Bands, ein vager Kontext – die Peace & Love - Geschichte – und ein sich zufällig einstellender Mehrwert, befördert vom "free concert" - Mythos, der mehr mit Schlamperei und organisatorischer Unfähigkeit als allem anderen zu tun hatte.
Es mag lang gedauert haben, aber Michael Lang & Co, die Männer hinter dem mythosumrankten Mega - Hippie - Gathering, haben definitiv ihr Geld verdient.