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Bleibt alles anders
Stillstand ist der Tod. Nicht nur, was das wahre Leben betrifft, den täglichen Existenzkampf, nein, auch – oder gerade – das Dasein als Künstler. Ein Blick zurück: Vor zwei Jahren betrat ein mehr oder minder unbekanntes Trio aus London die Bühne einer ungeliebten, mittlerweile den Weg alles Irdischen gegangenen Wiener Veranstaltungshalle und lärmte ein unbedarftes Publikum im Rahmen eines kleinen, aber feinen Festivals in Grund und Boden. Der bärtige Lockenkopf hinter dem Schlagzeug absolvierte ein Power - Workout, der Mann am linken Bühnenrand ließ seine Gitarre wie zehn klingen, die Dame mit dem Bass und dem schwer auszusprechenden Namen Shingai Shoniwa bescherte dem Publikum mittels Mimik, Gestik und der einen oder anderen akrobatischen Einlage richtig großes Kino – von ihrer alle Gefühlsregister abdeckenden Stimme ganz zu schweigen.
Davor schon glaubte die um Hysterie nie verlegene britische Musikpresse, das Londoner Äquivalent zu den Yeah Yeah Yeahs gefunden zu haben. Einen signifikanten Unterschied zu der ebenfalls zu dritt agierenden Band aus New York gab es dennoch: Während Karen O und ihre Mannen sich wie ein Flächenbrand ausbreiteten, glichen die Noisettes bestenfalls einem Strohfeuer, Stichwort: Geheimtipp.
Phil Spector lässt grüßen
Jetzt, 2009, sieht einiges anders aus. Groß ist die Überraschung beim ersten Hören des zweiten Albums der Noisettes, "Wild Young Hearts": Statt einer ungestümen Mischung aus Garagen - Rock, Blues - Punk und Soul erwartet einen – jawohl! – Pop. Mit der Single "Don’t Upset The Rhythm (Go Baby Go)" werden noch am ehesten die alten Zeiten beschworen, daneben dominieren, mit Ausnahme einzelner Stücke, die wahlweise an die Smiths oder an Blondie gemahnen, vom Soul der 60er - Jahre inspirierte Songs. An Amy Winehouse oder gar Duffy denkt man allerdings nur kurz, Phil Spector lässt schon eher grüßen. Eine tiefe Liebe zu Sixties - Soul will Shingai auch gar nicht abstreiten: "In dieser Musik gab es so viel Innovation. Da geht es nicht nur um Phil Spector – seine Sachen sind fantastisch, aber es gibt so viele Soul-Platten von damals, die mit psychedelischen Sounds, rockigen oder bluesig angezerrten Gitarren aufwarten. Man muss davon wegkommen, zu sagen: Oh, da singt ein Mädchen Soul - Musik, das klingt wie Phil Spector."