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Kopf aus, Arsch an
Mit Wetter ist zu rechnen. Der Weg zum Interview mit Jan Delay führt vorbei an der FM4 - Bühne beim Linzfest, auf der die Londoner Client vermummt gegen Regen und Wind beim Soundcheck etwas von "Love" und "Sex" ins Mikro hauchen. Später transzendiert Jan Delay auf eben dieser Bühne mit der neunköpfigen Band Disko No. 1 das nasskalte Sauwetter. Als in der europäischen Kulturhauptstadt um 23 Uhr Schluss mit Livemusik an der Donaulände ist, wirkt es, als kämen Band und Sänger gerade erst richtig in Fahrt.
Im Gespräch strahlt der Hamburger Musiker, im August 1976 als Jan Phillip Eißfeldt geboren, eine ähnliche inspirierende Energie aus. Eine Energie, die sich in seinem Werk manifestiert. Zentral dabei: seine Rolle im deutschsprachigen Hip - Hop als ein Drittel der Beginner, vormals Absolute Beginner, deren 98er - Album "Bambule" selbst Genre - Skeptikern einiges zu bieten hat. 1999 erreicht er unter eigenem Namen mit dem Nena - Cover "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" in Deutschland und Österreich Platz zwei der Verkaufscharts. 2001 folgt das Album "Searching For The Jan Soul Rebels", mit dem er musikalisch seiner Liebe zu Reggae und jamaikanischen Sounds fröhnt. Ein Sound, der hervorragend mit seiner etwas nasalen Stimme korrespondiert. Mit der Single
"Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt" distanziert er sich von Teilen seines Publikums, wie sich das Album generell an allzu "deutschen" Verhältnissen reibt. Ein politischer Zugang zu Texten und Musik, der sich am deutlichsten im kontrovers diskutierten Lied "Söhne Stammheims" zeigt, mit dem Delay das deutsche Trauma Rote Armee Fraktion thematisiert und dabei wenigstens Verständnis für die Idee, einen Unrechtsstaat tätlich anzugreifen, vermuten lässt.
Fünf Jahre später erscheint "Mercedes Dance", eingespielt mit Disko No. 1 unter nicht nur stilistisch anderen Vorzeichen: Jetzt war der Funk dran. Im Intro verbalisiert Delay: "Ich mag die Haltung vom Punk und den Style vom Jazz / Ich mag die Bässe von Reggae und die Beats vom Rap" und "Ich muss was für mein Dispo tun / Und schmeiß keine Steine mehr, schmeiß jetzt Discokugeln".