|
|
||
Frei von Fesseln, offen für alles
1989 formierte sich in den USA ein äußerst aktiver musikalischer Untergrund, der den Mainstream mit massiv verzerrten Gitarren, Wah - Wah - Pedal und einem hohen Energie - Level zwischen Phlegma und Verweigerung von oben nach unten kehrte. Noise - und Grunge-Bands schossen in kleinen Provinzkaffs wie Pilze aus dem Boden, mit ihnen smarte Indie-Labels und Fanzines. Enthusiasmierte Fans schwitzten sich bei Konzerten die Seele aus dem Leib – es roch gewaltig nach Teen Spirit.
Jenem wunderbaren Umstand brodelnder Euphorie, der heute mit der gleichen DIY - Attitüde und Leidenschaft in Clubs, Konzerthallen und der Blogosphere vibriert, verdanken wohl auch Therapy?, dass sie sich seit 20 Jahren behaupten können. Denn 1989 ist auch das Gründungsjahr der keinesfalls ermüdeten Rock-Truppe, die heuer mit "Crooked Timber" ihr 14. Studioalbum veröffentlicht hat. Nicht nur diese bemerkenswerte Anzahl an Releases belegt den Sonderstatus, den sich die Band sich von Anfang an erspielt hat.
Trademark - Sound
In den frühen 90ern verbanden Andy Cairns, Michael McKeegan und Fyfe Ewing die Einflüsse damals hoch gehandelter Idole – den kühlen Noise - Rock von Big Black, die Hymnen von Hüsker Dü, die verqueren Melodien der Pixies und von Dinosaur Jr. – mit harten Riffs zu einem genuinen Trademark - Sound. Die Tatsache, dass Therapy? aus dem politisch zersplitterten Nordirland stammten, trotzdem aber auf glatten Bombast und tränenreiche Videos verzichteten, prädestinierte sie zur europäischen Antwort auf Helmet und Nirvana. Im NME und in der Radio - Legende John Peel fand man prominente Förderer. Denn im Unterschied zu den US - Bands verfügten Therapy? stets über ein gewisses Quantum (Selbst - )Ironie und pflegten eine Offenheit für genrefremde Sounds und Kontakte zur britischen Elektronik - Szene. Bis heute das Arbeitscredo der Band, so Sänger Andy Cairns: "Wir sind immer offen gewesen für aufregende und interessante Musik aus jedem Genre.