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Ruhe, kein Sturm
Dass es – sowohl im übertragenen wie im eigentlichen Wortsinn – oft die leisen Töne sind, die eher aufhorchen lassen und mehr bewirken als all der Lärm, das ist weder eine neue noch eine sonderlich originelle Erkenntnis. Dabei ist es gerade in jungen Jahren wesentlich, zu stürmen und zu drängen und die feinen Nuancen den alten Säcken zu überlassen. Umso überraschender, wenn vier im Jahr 1990 Geborene eben nicht mit ramponiert klingenden, mittels Plug - ins auf den Rechner geladenen Synthie - Sounds oder reichlich verzerrten Gitarren auf sich aufmerksam zu machen versuchen. Romy Madley Croft, Oliver Sim, Baria Qureshi und Jamie Smith lieben es zurückhaltend, melancholisch – weder aber im Sinne von Wanderklampfen - Ästhetik, noch von ob ihrer Langeweile erst recht das Nervenkostüm strapazierender Lounge - Mucke.
In weiter Ferne: The cure
Das wenig glamouröse Quartett weiß viel mehr um die Wirkung einer gewissen inneren Spannung, die ihre Songs dann auch auszeichnet. Mit wenigen Gitarren - und Keyboard - Tupfern, geschickt eingesetzten, kargen Basslinien und Beats, die der einzige Hinweis darauf sind, dass die vier eine Vorliebe für R’n’B teilen, schaffen sie einen Sound, der sowohl an die frühen 80er erinnert als auch in die Zukunft weist. The Cure in ihrer "Faith" - Phase oder die Reduktionisten Young
Marble Giants schimmern da in weiter Ferne durch. In ihren sich vornehmlich und gut verschlüsselt um das Thema Sex drehenden Stücken ergänzen einander die emotionslosen, dennoch mit reichlich Charakter versehenen Stimmen von Gitarristin Romy Madley Croft und Bassist Oliver Sim perfekt. Dass Hot Chip, Burial oder Four Tet ein paar Jahre früher in die gleiche Schule gegangen sind wie The XX noch vor Kurzem, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt – auf die Musik eines
der zwei, drei besten Debüts des Jahres lässt es keine Rückschlüsse zu.
The XX
"XX"
Label: Young Turks Records
Release: 14. August 2009