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Härtefälle
Vor vielen, vielen Monden hat ein heute entfernter Bekannter einmal im Jahr ein Fest im Einfamilienhaus seiner Mutter in Niederösterreich gegeben. Traditionell
wurde Bier getrunken und Musik gehört. Nach ein, zwei Stunden wurde die Tanz-
fläche auf dem Spannteppich zwischen Ess - und Wohnzimmertisch eröffnet, zu
den Platten der jungen Metallica, Megadeth, Slayer, Suicidal Tendencies. Dass es durchaus engagiert zuging, beweist das Pendel der Wohnzimmeruhr, in dem sich Spuren zweier Zahnreihen abzeichnen, männlich, Anfang 20. Die Deluxe - Edition von Venoms zweitem und wichtigstem Album "Black Metal" (Sanctuary) wäre auch heute einen herzhaften Biss ins schwingende Messing wert.
Der Gedanke an ein Remastering der Bänder aus dem Jahr 1982 ist offenbar sofort verworfen worden – zu Recht. Der schwarze Zauber der Stumpfheit entfaltet sich nur bei dunklem Klang. 27 Jahre nach dem Erscheinen staunt man noch immer über Venoms unbändigen Willen, böser, schmutziger, härter als alles zu sein, was damals in eine verzerrte Gitarre griff. Spieltechnisch beschränkt, holpern und stolpern Venom durch das Originalalbum und elf noch rohere 12 - Inch - und Radioshow - Versionen. Der stolz - hässliche Band - Leader Cronos und seine zwei Spießgesellen stoßen auf überraschend mitreißende Riffs, erfinden im Vorbeigehen Thrash - und Speed - Metal, und geben mit dem Albumtitel einem gesamten Genre den Namen, das eines Tages Norwegens Metal regieren sollte. Auch die beigelegte DVD präsentiert sich authentisch, sprich: direkt von einer Billig - VHS gezogen. Aber wer in nomine Satanas unterwegs ist, kann sich nicht mit Reinheit aufhalten.