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Disco, langsam zündend
Es muss immer sofort beim ersten Mal schmecken. Was sich richtig echte Popmusik nennen, in die Charts, in Radiorotationen, gar noch ins Musikfernsehen (remember?) kommen möchte, muss möglichst schnell im Gehörgang hängen bleiben, vom ersten Wimpernschlag an catchy sein, idealerweise nicht zu herausfordernd. Und nach 15 Durchgängen darf man’s dann auch ruhig nicht mehr hören wollen müssen. Ohrwurm wird Nervwurm. Da haben die beiden großen neuen jungen Damen des elektronisch abgefederten Glitzer - Pop, La Roux und Little Boots, zwei ziemlich wasserdichte Alben mit allen Hooks und geschmeidigen Melodien aufgenommen, nur um jetzt von Annie, der norwegischen Königin des coolen Synthesizer - Karnevals, vorgetanzt zu bekommen, dass man auch eine sauber funkelnde Bubblegum - Platte veröffentlichen kann, die einen Tick subtiler um die Ecke kommt – und etwas Zeit braucht, um zu wachsen.
Schmachtballaden und Dancefloor - Futter
"Don’t Stop", Annies zweites Album (nach dem Durchbruchswerk "Anniemal" von vor vier Jahren), hätte eigentlich schon Ende 2008 erscheinen sollen, wegen Querelen mit der Plattenfirma und anderem Business - Quatsch hat sich das hingezogen, weshalb für die nun vorliegende Platte ein paar neue Songs dazuproduziert und ein paar alte, die schon ewig durchs Netz gegeistert waren, aus der Tracklist rausgeschmissen wurden. Gemeinsam mit Produzenten wie Mash - up - Trickser Richard X, dem Pop - Power - Haus Xenomania (u. a. Pet Shop Boys, Girls Aloud) und Paul Epworth (u. a. Bloc Party und The Rapture) hat Annie eine der Pop - Platten des Jahres zusammengedübelt, die einem eben nicht gleich schrill ins Gesicht fährt, sondern einen behutsamen Bogen von Schmachtballaden hin zu extrafunky Futter für den Dancefloor spannt. Bitte vorsichtshalber die Lichtorgel anwerfen. Gaaanz langsam.
Annie
"Don’t Stop"
Label: Smalltown Supersound
Release: 20. November 2009