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Die Freuden des Körpers
Adam, du trägst ja keine Socken!
Ja, weil das hier Tanzschuhe sind. Ich hab begonnen Ballett zu lernen.
Du scherzt?!
Keineswegs. Ich hab Unterricht genommen. Ich brauche das Training ...
Ist eine Ballettkarriere etwas, das dich interessiert hätte?
Nicht wirklich. Die einzige Karriere, mit der ich geliebäugelt hätte, ist die als Friseur. Ich schneide mir die Haare zur Zeit auch immer selbst. Und meiner Band und eigentlich jedem, den ich so kenne. Ich kann allerdings nur zwei Schnitte: kurz und sehr kurz.
Das letzte Mal als wir uns getroffen haben, bist du ziemlich glücklich gewesen. Mittlerweile lebst du in Scheidung. Davon steckt auch viel in deinen neuen Songs. Was hat die Trennung in dir ausgelöst?
Ich bin durch ein Jahr gegangen, in dem ich von einer Lebenssituation loslassen musste, die in vielerlei Hinsicht großartig war. Ich weiß nicht, ob man »Minor Love« ein Break-up-Album nennen kann, auf jeden Fall ist es eine sehr reflektierende Platte geworden. Ich sehe die Songs als Belohnung für mich – nach dem miesen Jahr, das hinter mir liegt. Und ich hoffe, sie sind kunstvoll genug gemacht, sodass sie den Leuten nicht zu schwer aufs Gemüt schlagen. Meiner Rolle als Entertainer bin ich mir ja immer schon bewusst gewesen. Musik muss präsentierbar sein. Niemand möchte ein Geschenk, das kaputt ist ...
Bist du mittlerweile über den Schmerz hinweg?
Es hat geholfen diese Songs zu schreiben. Ich hab wieder Interesse am Leben entwickeln und das Monster in mir zur Vernunft bringen müssen. Nach vielen, vielen Therapiestunden bin ich jetzt gefestigter.
War es so schlimm?
Manchmal bin ich ganz und gar nicht rational. Dann werde ich zu diesem leichtsinnigen, beleidigenden Typen. Wenn ich beispielsweise besoffen bin, kann ich mich gegenüber den Leuten, die ich kenne, sehr gemein verhalten. Deshalb bin ich zur Psychotherapie gegangen.
Was hat man da mit dir gemacht?
Das Ganze ist sehr irritierend. Mein Psychiater ist voll auf dem Freud-Trip, er will immer nur wissen, in welchem Alter ich wie viel masturbiert habe. Warum ich es getan und wie ich mich dabei gefühlt habe. Es geht viel um Masturbation. Sehr viel mehr als ich gedacht habe. (lacht)
Vielleicht denkt er, dass dein Problem eher sexueller Natur ist?
Das stimmt. Er hat gemeint, ich könne mich nicht auf Dinge einlassen,
die nichts mit Sex zu tun haben. Alles sei für mich an Sexualität gekoppelt. Weil ich nie in einer Phase gewesen bin, in der ich nicht von Sexualität gesteuert wurde. Schuld ist wohl, dass ich zu früh rausgefunden haben, wie man masturbiert.
Es ist doch schön, wenn man die Freuden des Körpers genießen kann.
Das habe ich auch gesagt, aber er hat erwidert, es würde mein Funktionieren in der Erwachsenenwelt verhindern. Und irgendwie hat er Recht, ich funktioniere in der Erwachsenwelt nicht. Ich wüsste wirklich nicht, was ich tun sollte, wenn ich nicht Musik schreiben würde. Außer vielleicht Friseur werden.