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You’re so Gangsta!
Als 2007 am 11. September – welch geschichtsträchtiges Datum! – das Album "Curtis" von 50 Cent und "Graduation", der dritte Longplayer von Kanye West, gleichzeitig veröffentlicht wurden, bot dieser seltene Fall der auch damals schon einigermaßen im Argen liegenden Plattenindustrie nicht nur Anlass, verkaufsfördernd – für beide Seiten im Übrigen – im Vorfeld einen "Kampf der Giganten", ein Kräftemessen zwei der aktuell größten Topseller um die Spitzenplatzierung in den Verkaufscharts zu inszenieren und die Ankunft einer Platte bzw. zweier Platten noch ein letztes Mal als tatsächliches "Ereignis" zu verkaufen, sondern stellte ungeachtet des finanziellen Erfolgs für beide Kontrahenten nicht weniger als das Aufeinanderprallen zweier grundverschiedener Welten des Hip - Hop dar.
Zwei Tage vor Veröffentlichung der beiden Alben konnten da bei den MTV Video Awards in Las Vegas 50 Cent und Kanye grimmig dreinschauend nebeneinander auf die Bühne gestellt und so ein kleiner "Memorable Moment" generiert werden. Letztlich sollte Kanyes "Graduation" in seiner ersten Woche über 950.000 Einheiten absetzen, "Curtis" knapp 700.000, das einzige Mal in der Geschichte, mit Ausnahme von Guns N’ Roses’ "Use Your Illusion I" und "Use Your Illusion II", dass in den USA innerhalb einer Woche zwei Alben jeweils mehr als 600.000 Exemplare verkaufen konnten. Das waren noch Zeiten.
50 Cent, die Maschine, die den ganzen Tag stumpf schuftet, hat als der dominante Rapper der mittleren Nullerjahre das von N.W.A, Dre und Snoop durchschlagend etablierte Konzept "Gangsta" als fast schon zur Karikatur völlig überzeichnetes Bild endgültig in den letzten Haushalt geführt und auch dem Popkultur - Fernsten das Klischee verklickert, was einen harten Rap - Typen denn so ausmacht. Nicht zuletzt ist 50 Cent stets über seine street smartness, darüber, wie viele Kugeln er mit seinem Körper schon abgefangen hat, und nicht etwa über seine Skills vermarktet worden.
Die extravaganz eines Größenwahnsinnigen
Kanye West dagegen hat fortgeführt, was Outkasts Andre 3000 ein paar Jahre davor schon durch die ihm eigene Extravaganz angestachelt hatte, nämlich so etwas wie eine unschön als Metrosexualität umschriebene Haltung – also jenes Phänomen, dass etwa Fußballer zum Friseur gehen und sich die Nägel maniküren lassen – auch in den Hip - Hop einzuspeisen. Umcodiert wurde auch freilich hier nichts großartig, es war nur plötzlich okay, auch als Rapper ein pinkfarbenes Poloshirt zu tragen. In musikalischer Hinsicht ist Kanye die Madonna des Hip - Hop, immer drei Ohren im Underground, die richtigen Berater zur Seite, stets smart genug auch elektronische Tanzmusik, Schmuserocker und grellbunte Nu - Rave - Ästethik in sein Gesamtkunstwerk zu integrieren. Hipster - Rap mitten im Mainstream, Kanye, der agile, wache, flinke Größenwahnsinnige, dem lässt man auch einen türkisen Tuxedo und doofe Shutter - Shades durchgehen. Und das im Hip - Hop!