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Animal Collective: Strawberry Jam Forever
Animal Collective haben die Pforten der Wahrnehmung schon etliche Male durchschritten. Wie in einem Spiegelkabinett verzerrt das New Yorker Quartett sein eigenes Image von Platte zu Platte, teilt sich, ohne jemals den größeren Plan aus den Augen zu verlieren, und kanalisiert die häufig außer Acht gelassenen Sackgassen, die marginalisierten Momente der Popgeschichte in kristalline Psychedelic Fiction. Sieben Jahre und genauso viele Alben lang befinden sich Avey Tare, Panda Bear, Deakin und Geologist nun schon auf ihrer Reise durch mäandernde Soundcollagen, euphorisch flatternde Melodiewelten und allerlei harmonisch charmante Lo-Fi-Spielereien, ohne dabei nur eine Sekunde berechenbar gewesen zu sein.
„Mittlerweile ist für uns musikalisch so viel Neues passiert …“
So zieren das Cover ihrer neuen Platte „Strawberry Jam“ auch keine naiven Pinselstriche mehr, wie sie etwa beim Vorgängeralbum „Feels“ als visuelle Umsetzung ihrer stark expressiven, lautmalerischen Arbeit zum Einsatz kamen. Dieses Mal hat Sänger und Band-Grafiker Avey Tare einen direkteren Weg gewählt: „Erdbeermarmelade hat so was Futuristisches, sie sieht fast aus wie eine Alienlandschaft“, meint er zur Cover-Gestaltung, die sich auf fotografisch abgebildetes, unappetitlich glänzendes Erdbeermus beschränkt. Die mögliche Beatles-Referenz – von wegen „Strawberry Fields Forever“ – hätten sie dabei eigentlich gar nicht mitgedacht.
Panda Bear erinnert sich allerdings, dass während der Sessions in Tucson, im US-Bundesstaat Arizona, ein Buch über die Aufnahmetechniken der Fab Four im Studio herumgelegen hatte, das sie gelegentlich konsultierten. Vielleicht hat das ja unterbewusst eine Rolle gespielt. Die neun Tracks der aktuellen Platte nähern sich dem System Song jedenfalls weiter an, als dies der versponnene Soundkosmos der Band bisher zugelassen hat. „Stimmt schon“, kommentiert Avey, „allerdings empfinde ich diesen Prozess weniger als stärkere Zuwendung zum Pop als eher eine hin zu simplerem Songwriting.“
Die Stücke auf „Strawberry Jam“ als simpel zu bezeichnen, scheint angesichts dieser durchwegs komplexen Platte allerdings gar ein wenig bescheiden. Sicher, die Stimme tritt diesmal klarer aus den psychedelischen Soundwolken hervor, und auch die Beats sind durchgängiger. Doch auch, wenn der Opener „Peacebone“ mit simpler Hook, beschwingter Melodie und spinnertem Synthgeflirre ganz schön straight losprescht, wird er stets mit kruden Breaks und Schreien geknickt. Stücke wie „Unsolved Mysteries“, „Derek“ oder „#1“ hängen wie so oft in der Bandgeschichte spürbar am Rockzipfel Brian Wilsons, klingen aber weiterhin so, als ob dieser seine Drogenexzesse nie beendet hätte. Und wäre da nicht Aveys aufgeregt taumelnde, für manchen gewöhnungsbedürftige Stimme, mit „Winter Wonder Land“ und „Fireworks“ hätte man sogar zwei potenzielle Indierock-Hits am Start. „Beabsichtigt war das allerdings nicht. Wir haben bestimmt an die 15 Tracks aufgenommen und dann einfach versucht, davon neun in sich stimmige für das Album zusammenzufassen. Das Ergebnis hätte auch wesentlich experimenteller ausfallen können“, erklärt Panda, der übrigens wie sein Kollege Avey Tare mit dessen Ehefrau, der früheren Múm-Sängerin Kria Brekkan, heuer musikalisch auch schon auf Solopfaden wandelte.