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Babyshambles: "Wir waren im freien Fall"
Es hieß, wir könnten Pete Doherty frühestens am 4. September sprechen, also lange nach Redaktionsschluss. Die Entschuldigung war eine gute: Das poetische Sprachrohr seiner Generation musste zur Erfüllung der Bewährungsauflagen wieder einmal in einer Rehab-Klinik weilen. Die britische Gossenpresse hatte kurz vor seiner jüngsten Verhaftung noch von einer Versöhnung des verfilzten Bohemiens mit seiner zeitweilig von ihm getrennten, berühmten Geliebten in einer Suite des Nobelhotels Claridge’s berichtet. Wenn diese Zeilen hier gedruckt sind, wird die Seifenoper längst um ein paar Kapitel weitergesponnen worden sein. Nach einem neuerlichen Gerichtstermin wird auch geklärt sein, ob die Babyshambles im Herbst auf Tour gehen können oder ob ihr Sänger wieder ins Gefängnis muss, um die Summe seiner vielen kleinen Drogen- und Verkehrsvergehen abzubüßen.
Aber all das ist bloß der absurde Hintergrund der eigentlichen Story, in die wir uns an einem milchigen Londoner Nachmittag im späten August einklinken. In einem Studio am Hoxton Square treffen wir Drew McConnell und Adam Ficek, die cleane Hälfte der Band, um mit ihnen über die – angesichts des Chaos rundum – geradezu wundersame Entstehung des neuen Babyshambles-Albums zu sprechen. Der Platte, „die wir eigentlich immer schon machen wollten“, so Ficek.
Peter Dohertys erzwungene Abwesenheit – seine Freunde sagen übrigens fast nie „Pete“, der Kosename steht mittlerweile für eine nicht wieder erkennbare, durch die Schundpresse geisternde Kunstfigur – hängt als spürbare Sorge in der Luft. Doch selbst wenn Doherty wieder hinter Gitter wandert, sollte „Shotter’s Nation“ zumindest sein musikalisches Wirken in den Ohren der Skeptiker rehabilitieren. Die Hauptverantwortung dafür trägt Stephen Street, eine der großen grauen Eminenzen im britischen Pop der letzten 20 Jahre: „Stephen Street hat die Smiths und Blur produziert, zwei Bands, die wir lieben“, erklärt Bassist McConnell. „Adam und ich wollten keine neunminütigen Plappereien, sondern konzis arrangierte Songs. Er war der richtige Mann für diesen Job.“
„Adam und ich wollten keine neunminütigen Plappereien, sondern konzis arrangierte Songs. Stephen Street war der richtige Mann für diesen Job.“