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Rodney Hunter: Willkommen in Hunterville
„Let them know your logo.“ Auf diesen pragmatischen Satz, den Rodney Hunter schon in seiner Jugend bei seinen musikalischen Ziehvätern EPMD aufgeschnappt hat, verweist der Wiener Produzent auch heute noch gern. Denn die im Hip-Hop weitverbreitete Strategie der perfekten Selbstvermarktung, das möglichst häufige Droppen seines eigenen Namens, ist für Hunter zu einem der wichtigsten Leitsätze seines künstlerischen Schaffens geworden. Kein Wunder also, dass er sein neues Album nach dem Debüt „The Hunter Files“ aus dem Jahre 2004 nun wieder selbstbewusst „Hunterville“ nennt. „Und ich hab noch so viele lustige ‚Hunter’-Namensvorschläge, da könnt’ ich noch Berge von Alben damit betiteln“, scherzt der sympathische Mittdreißiger beim Interview übermütig, seine Müdigkeit kann er allerdings nicht ganz verbergen.
"Meine interne Stimmgabel war verstellt und ich brauchte einfach eine vertraute Umgebung, um herauszufinden, wie ich weiter vorgehen soll.“
Bis in die frühen Morgenstunden hat der Workaholic im Studio zugebracht, um an Edits seiner neuen Tracks zu basteln und mit Kollegen über anstehende Remixes zu debattieren. Der Hunter, wie er sich selbst gern nennt, ist eben Perfektionist. Das bestätigt auch sein neues Album. Leichtfüßig bewegt er sich darauf stilsicher zwischen den Eckpunkten des Referenzsystems seiner musikalischen Sozialisation. Funk und Soul, vormals akustische Babynahrung, die ihm sein Vater, der in den 70er-Jahren neben seinem Brotjob bei der US-Army als Discjockey tätig war, verabreicht hat, transformiert Hunter in ein hochenergetisches Groove-Outfit, dem in seiner organischen Verve der Schweiß aus dem Studio 54 anhaftet, das in seiner Präzision und Ausschöpfung digitaler Bearbeitungsmöglichkeiten aber alles andere als ein retroverliebtes Stimmungsbild darstellt. Natürlich ist auch seine Liebe zu US-amerikanischen Hip-Hop- und R&B-Spielarten nach wie vor stark spürbar, aber es haben diesmal überraschenderweise auch schnellere Beats Einzug in Hunters Groove-Universum gehalten.
„Für die Neue hab ich die Disko-Patscherln rausgeholt, stimmt schon. Nachdem ich zehn Jahre lang auf 90 Beats per Minute produziert hab, hat mich das echt gereizt. Wahrscheinlich war aber auch meine Zeit in Berlin Ausschlag gebend für diesen Schwenk“, erzählt Hunter und berichtet von seinem ungeplant kurzen Wohnortswechsel, den er nach dem Erscheinen des Albums „The Hunter Files“ vollzogen hat. Kurz deshalb, weil er bedingt durch den großen Erfolg seines Solodebüts weit weniger Zeit in der Hipster-Metropole verbracht hat, als geplant. „Keine sechs Monate war ich dort, dann ging es schon mit dem Touren los – zweimal quer durch Europa, dann durch die USA. Für mich als jemand, der als Artist nie an der Front war und für meine vielen Produktionsjobs für DJ Tomekk oder Uptight Records ja selten direktes Feedback erhalten hat, war das sehr arg. Da triffst du plötzlich Leute, deren Sachen du total magst, die aber dir dann erzählen, wie sehr sie auf deinen Stuff abfahren“, schwärmt Hunter.