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Daft Punk: Es gibt keinen Markt mehr
Der Besuch eines Daft-Punk-Gigs ist eine sehr visuelle Erfahrung. Beim Hören eurer Live-CD läuft dagegen ein Film im Kopf ab. War das die Idee dahinter?
Genau. Wir wollten ursprünglich eine DVD von unserer aktuellen Live-Show produzieren. Und als wir dann 2006 mit dieser Tour anfingen, tauchten im Internet tausende Videoclips auf, die die Leute bei den Konzerten mit ihren Mobiltelefonen aufgenommen hatten. Keine der Filmaufnahmen, die wir von unseren Shows machen hatten lassen, war so aufregend oder konzeptionell passend wie die Bilder dieser Leute. Eigentlich ist es ja die Musik, die Erinnerungen und Gefühle wachrufen kann, und wir sahen keine künstlerische Legitimation dafür, einen IMAX-Film auf Briefmarkengröße zu reduzieren. Mit dem Ton stellen wir dagegen jenes fehlende Element zur Verfügung, das diese Filmchen im Internet noch nicht bieten können.
Ist es nicht auch eine Pest, dass die Leute dauernd filmen, statt selbst den Gig zu erleben?
Das könnte man genauso gut über die ganze Geschichte der Fotografie sagen. Manche Leute glauben, dass man nicht den Moment erlebt, wenn man fotografiert. Andere wieder finden, man lebe nicht sein eigenes Leben, wenn man ein Buch liest oder ins Kino geht. Man lebe bloß die Vision eines Künstlers nach. Aber es ist immer interessant, wenn die Leute ganz von sich aus den Antrieb verspüren, ihre Erfahrungen so zu verwerten.
1997 wollten noch alle euer Album "Homework" des satten Klangs und des schönen Covers wegen auf Vinyl haben. Dann kamdas Filesharing auf und die Leute wandten sich wieder kurzen, punkigen Songs zu, weil diese in der blechernen Qualität der frühen MP3s besser rüber kamen. War das ein unvorhergesehener Rückschritt?
Technisch gesehen ja. Ich persönlich mochte Vinyl sehr gern. CDs habe ich als Format nie lieb gewinnen können. Seit ich mir alles auf den iPod lade, höre ich wieder viel mehr Musik. Auf diese kleinen Mobiltelefone werden in ein paar Jahren vielleicht drei oder vier Stunden lange Filme in hoch auflösender Qualität drauf passen, aber derzeit geht es eben weniger um Klang- oder Bildtreue als um den Community-Aspekt. Solange es dadurch aufregender wird, ist das eine gute Zielrichtung.