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Radiohead: Die Revolution von oben
Im Verteilungskampf der neuen Pop-Ökonomie, wo die Piraten und die Urheberrechts - Inquisition einander munter die Gliedmaßen vom Leibe reißen, hat die britische Band Radiohead nun also den ultimativen Akt der Ritterlichkeit gesetzt. Die bekennenden Schüler von Noam Chomsky und Naomi Klein haben ihren abgedienten Sechs-Album-Deal mit dem Major-Konzern EMI unerneuert hinter sich gelassen, ihr jüngstes Werk „In Rainbows“ über die bandeigene Website veröffentlicht und ihren Kunden die freie Entscheidung überlassen, wie viel oder wie wenig sie dafür bezahlen wollen. Zuzüglich einer Kreditkartengebühr von 45 Pence, die natürlich wegfällt, sobald sich einer das Album gratis gönnt.
In der Praxis des Selbstversuchs bedeutete das übrigens, dass der Autor dieser Zeilen am Tag der Veröffentlichung vergeblich auf den um ehrliche fünf Pfund vorbestellten, versprochenen Zugangscode für seinen Download wartete. Mit einer anderen E - Mail - Adresse probierte ich es noch einmal um null Pfund und wurde dafür mit einem prompten Download belohnt. Der Fairness halber sei erwähnt, dass für die erste Bestellung nach Versendung eines Beschwerde-Mails am Nachmittag ein Ersatzlink einlangte.
Die Panne war wohl nur eine Zufallslaune der vielen Einsen und Nullen, die sich im unter hunderttausenden Anfragen ächzenden Maschinenraum von Radioheads Online-Imperium tummelten, aber sie eignet sich hervorragend als Metapher für die Realität des Download-Markts: Wer zahlt, ist der Depp. Das Webzine Pitchfork hatte sich bereits in den frühen Morgenstunden des Erscheinungstages über die popelige Qualität von 160 KB pro Sekunde beschwert.
Die Realität des Download-Markts: Wer zahlt, ist der Depp.
Für meine Schweinsohren klang die entpackte Zip-Datei eigentlich nicht übel. Im Vergleich zu ihrem enttäuschenden Vorgänger „Hail to the Thief“ schnitt „In Rainbows“ mit seiner zugänglichen Synthese aus dem lyrischen Bombast-Rock der „OK Computer“-Periode und den über geschnipselten Rhythmen schwebenden Akkordfolgen von „Kid A“ oder „Amnesiac“ jedenfalls gleich beim ersten Hören äußerst gut ab, obgleich der Opener „15 Step“ zunächst wenig Gutes verhieß: Hier der mittlerweile gewohnte, aus verzerrten Drum-Sounds gebastelte Holper-Beat, da Thom Yorkes Stimme auf der fruchtlosen Suche nach einer schlüssigen Melodie, und dazu gesellte sich eine leicht verstimmte Jazzgitarre. Gott sei Dank wurde danach alles besser.