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CocoRosie: Die Fantasie, das Poetische
Sierra, die Ältere der beiden Casady-Schwestern, wird 1980 in Iowa geboren, zwei Jahre später kommt Bianca in Hawaii zur Welt. Ihre Mutter, die als Lehrerin und Künstlerin tätig ist, reist mit ihnen von Staat zu Staat, während ihr Vater an Waldorfschulen unterrichtet und als Schamane der Peyote-Religion auch nicht eben sesshaft ist. Sierra ist fünf, Bianca drei, als sich ihre Eltern scheiden lassen. Allzu gut kommt die Familie mit dieser Situation aber scheinbar nicht zurecht: Mit vierzehn wird Sierra von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Ihr Vater steckt sie schließlich ins Internat.
Fast zehn Jahre sollte es dauern, bis Bianca und Sierra einander wiedersehen. Sierra ist in der Zwischenzeit nach Frankreich gezogen, um dort Gesang zu studieren und eine Karriere als Opernsängerin einzuschlagen. Ihre Schwester wiederum hat sich in Brooklyn niedergelassen, studiert Sprachwissenschaften und Soziologie, ist schwer tätowiert und tritt gelegentlich bei Spoken-Word-Abenden auf, um ihre Gedichte vorzutragen. Aus einer inneren Unruhe heraus beschließt Bianca, ihre Schwester ausfindig zu machen. Und so steht sie 2003 schließlich vor der Tür zu Sierras Wohnung im Pariser Stadtteil Montmartre und fragt diese, ob sie eine Weile bei ihr wohnen darf. Sierras angebliche erste Reaktion: „Warum?“
Um, wie sich herausstellt, Musik zu machen. Und zwar jeden Tag. Beide singen, Sierra spielt Gitarre und Flöte, und Bianca entlockt so ziemlich allem, was ihr in die Hände kommt, Geräusche. Ihre eigentümlichen Songs nehmen die beiden im Badezimmer auf, weil dort die Akustik am besten ist. Dabei entstehen zwei Alben. Das eine, „La Maison de Mon Rêve“, erscheint über Umwege beim Traditions - Indielabel Touch and Go Records. Die minimalistischen Lieder, mal verträumt, mal verspielt, mal verquer dargeboten, erschließen sich bald einer begeisterten Fan-Gemeinde. Das andere, eine Sammlung von HipHop-Songs mit dem Namen „Word to the Crow“ bleibt bis zum heutigen Tag unter Verschluss. Bianca Casady: „Wir haben diese Songs selbst schon lange nicht mehr gehört – wir verstecken sie und warten auf den richtigen Moment, sie wieder auftauchen zu lassen.“