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„Die Ironie zerstört die Welt“
Rabauken waren sie, die Test Icicles. Von ihrem frech an männliche Keimdrüsen gemahnenden Namen über den lärmigen Übermut in der Handhabe ihrer Instrumente bis zu ihrer plötzlichen, mit schlichtem Mangel an Laune begründeten Auflösung geradezu ein Musterbeispiel produktiv genützter pubertärer Energie. Wenn mit Devonte „Dev“ Hynes einer dieser wilden Drei nun unter dem – uncharakteristisch beliebigen – Pseudonym Lightspeed Champion melodiöse Songs mit reichlich Streichern und akustischen Gitarren macht, ist es wohl nicht so weit hergeholt, ihm einen gewissen Reifeprozess zu unterstellen.
„Keineswegs“, protestiert Dev, „wenn ich Zeit dafür habe, spiele ich in einer Metal-Band. Ich mache immer, was ich gerade will. Ich bin erst 21 und ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen nicht nur eine Art von Musik hören. Deswegen hab ich für dieses Projekt auch nicht meinen eigenen Namen verwendet. Wenn du dich in gewissen Genres bewegst, glauben die Leute immer, dass das dein wahres Ich repräsentiert. Aber es kann viele wahre Ichs geben.“
Jenes Ich, das im Pseudonym Lightspeed Champion zum Vorschein kommt, posiert mit einem Hasen im Arm in roter Weste, weißem Hemd und gelber Fliege und singt bisweilen ein herzhaftes Cover von „Let the Sunshine In“ aus dem Musical „Hair“, das Dev allerdings nicht als postmodernen Scherz missverstanden wissen will: „Ich verachte Ironie so sehr. Im Ernst, ich versteh’s nicht. Warum sollte jemand etwas machen, das er eigentlich nicht mag? Die Ironie zerstört die Welt. So wie Hardcore-Kids, die R. Kelly und Lil Jon hören. Fuck off …“, tobt Dev und entschuldigt sich danach gleich für den Ausbruch.
Weil er ja doch ein liebenswerter Lauser ist – selbst wenn er in „Galaxy of the Lost“ (zum mitfühlenden Harmoniegesang von Emmy the Great) davon singt, wie er sich beim Küssen versehentlich in den Mund seiner Geliebten übergibt, nachdem er mit ein bisschen Gin seine Nerven beruhigt hat.