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Mürrischer Konzeptkünstler
Das Problemwort „Konzeptalbum“: Zumeist lässt es unangenehme Assoziationen zwischen verkitschten Progressive-Epen, Fantasy-Ästhetik und ausladender Rockoper erwachsen. Das Plattencover dazu zeigt einen edlen Schwertkämpfer in Airbrush. Man kann das freilich auch weniger streng, ja, idealistischer sehen. „Meiner Meinung nach steckt hinter jedem Album, hinter jedem Kunstwerk ein Konzept, außer natürlich es ist kompletter Müll“, meint Stephin Merritt, Mastermind der Magnetic Fields. Merritt, der nach langjährigem Dasein als New Yorker mittlerweile in Los Angeles wohnt, eilt der Ruf voraus, ein eher „schwieriger“ Interviewpartner zu sein.
Bestätigung erfolgt am Telefon: Merritt gibt sich kurz angebunden, stellt wenig freundliche Gegenfragen und bestraft dummes Gerede zu Recht mit demonstrativer Langeweile. Nicht, dass der Mann arrogant wäre, vielmehr ist er sich und anderen gegenüber anspruchsvoll und geht zum üblichen Promo-Speichellecker-Zirkus stilvoll auf Distanz.
Dabei würde ein wenig Größenwahn nicht wirklich verwundern, schließlich wird Merritt in manchen Kreisen, nennen wir sie Indie im weitestmöglichen Sinn, wie ein König verehrt. Sein epochales, drei CDs umfassendes Opus magnum „69 Love Songs“ aus dem Jahre 1999 darf heute noch völlig objektiv als eines der vielfältigsten und unterhaltsamsten Alben, ja, aller Zeiten gelten. Die zumeist im Pop-Format geerdeten und in kammermusikalischer Besetzung dargebotenen Stilübungen zwischen Folk, Musical, Jazz-Andeutung, Synthie-Quatsch, World Music sowie grob geschätzt 64 Varianten mehr und die damit verbundenen Annährungen an den Themenkomplex „Liebe“ sind nach wie vor ein unerschöpflicher Quell der Lebensfreude.
Die Opulenz von „69 Love Songs“ und die mehr als überschwänglichen Reaktionen darauf lasten dabei aber keineswegs als Bürde auf Merritt: „Nun, ich weiß, dass es so gut wie sicher ist, dass ich niemals wieder ein Projekt von diesen Ausmaßen in Angriff nehmen, geschweige denn, beenden werde. Das muss auch nicht sein. Ich bin froh, wenn ich weiterhin normale, ganz okaye Platten machen kann. Dass die Menschen ‚69 Love Songs‘ oft als Meisterwerk ansehen, macht mich dabei natürlich stolz. Wenn sie das über eine andere meiner Platten, in die ich weit weniger Zeit investiert habe, sagen würden, wäre ich fast etwas traurig.“