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„Dupschek“ – oder: Was Otto Waalkes und Alexander Dubček miteinander verbindet
Vorweg: Der „Prager Frühling“ war zunächst ein Musikfestival, das unter diesem Namen stattfand – eine Tatsache, die ob der erdrückenden Ereignisse, die im Laufe des Frühjahrs 1968 vor sich gehen sollten, gerne vergessen wird. Zu Recht, denn angesichts der nachher für zwei Jahrzehnte herrschenden Umstände in der damaligen Tschechoslowakei, erscheint etwas wie Musik erschreckend trivial.
Kurz zusammengefasst für alle, die im Geschichtsunterricht nicht so wirklich aufgepasst haben: Unter „Prager Frühling“ versteht man einerseits die Bemühungen der KSČ (der kommunistischen Partei der ČSSR) unter Alexander Dubček, die Situation im eigenen Lande einer Reihe von Reformen in Sachen Liberalisierung und Demokratisierung zu unterziehen, wobei die Bevölkerung gleichermaßen unterstützend wie Druck machend agierte. Andererseits ist dies das Synonym für die gewaltsame Zerschlagung dieser Versuche durch die Truppen des Warschauer Pakts am 21. August 1968; das Synonym für die misslungenen Bestrebungen, den Eisernen Vorhang zu durchbrechen.
Dubček spielt hier klar eine nicht unwesentliche Rolle: Zum einen ist ihm und seinen Verbündeten hoch anzurechnen, dass man zumindest versuchte, so etwas wie einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ einzuführen. Auf der anderen Seite ging man dabei offensichtlich nicht vorsichtig genug vor, was zur Folge hatte, dass aus der ČSSR einer der repressivsten Staaten des damaligen Ostblocks wurde.
Als Otto Waalkes 1973 sein A-cappella-Stück „Dupschek“ veröffentlichte, war der Mann, dessen Name in leicht verunstalteter Form als Songtitel diente, bereits seit drei Jahren aus der Partei verbannt und musste sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Waldarbeiter verdingen.
„Dupschek“ ist auch heute noch so simpel wie verblüffend: Auf mehreren Spuren singt Otto mit sich selbst, als Gerüst des Songs fungieren Politikernamen – ein rhythmisch wiederholtes „Dubček, Dubček, Dubček“ funktioniert hier als Beat. Weiters tauchen auf: „Mao Tse Tung, Idi Amin, Ihiiidi Amin, (kurz im Hintergrund:) Sadat, Honecker, Honecker – Kohl; (leise:) Stoltenberg“. Sowie natürlich: „King Konnnggg“. „Dupschek“ ist der beste Beweis dafür, dass Otto Waalkes weit mehr als ein schlichter Blödelkomiker ist – immerhin lehnte er sich überdeutlich an Heinz Erhardt, Woody Allen und die Neue Frankfurter Schule an.