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Kreisky: Alltagswahnsinn und Psychohygiene


Das Album „Kreisky“ (Wohnzimmer / Hoanzl) erscheint am 4. Mai. Die Band ist am 28. April im Rahmen der Clubnacht „Krems schläft nicht!“ ab 24 Uhr gemeinsam mit Felix Kubin im Kremser Jazzkeller zu sehen. Killed by 9V Batteries und Jason Forrest bestreiten parallel dazu das Programm im Avalon Exil. Nähere Infos zu Kreisky finden sich online unter kreisky.net.
Bevor dieser Tage ihre erste Single „Wo Woman ist, da ist auch Cry“ aufgetaucht ist, haben die vier Herren von Kreisky – die Band existiert bereits seit Anfang 2005 –
das getan, was für Musiker in weiterentwickelten Popkulturen als der unseren selbstverständlich ist: Sie haben live gespielt. Und zwar – als in der Bundeshauptstadt ansässige Band – nicht nur in den drei oder vier Wiener Venues, in denen früher oder später fast alle halbwegs okayen Gruppen einmal auftreten. Einfach um zu sehen, ob sich das, was sie sich als ihre Musik ausgedacht und erprobt haben, überhaupt ausgeht.
Es ist sich ausgegangen und darum ist es in Kreiskys Fall auch ein Segen, dass jetzt die nächsten Schritte folgen: weitere Konzerte und das selbst betitelte Album, das am 4. Mai dieses Jahres erscheinen wird. Mit seinen zwölf Songs hätte es dieses in jedem Fall verdient, mehr als den üblichen, zeitlich wie inhaltlich überschaubaren, lauen Durchzug in der heimischen Medien-Baumgruppe auszulösen; idealerweise nämlich eine gewisse Auseinandersetzung. Diskussion. Widerspruch. Verstörung. Ablehnung. Fürsprache. Begeisterung.
„Es ist dieselbe Straße, und da steht ja auch mein Auto. Das hier ist das Einbahnschild und das die Polizeistation.“ („Verschollen in Europa“)
Das ganz offensichtlich Geile an der Musik Kreiskys ist, dass sie sich etwas zu sagen traut. Dass das, was Franz Adrian Wenzl, der singt und die Tasten bedient, in seinen Texten zum Ausdruck bringt, Lokalkolorit aufweist, ohne provinziell zu wirken. Dass sie sich etwas scheißt – um die eigene Präsentation, die eigene (Sound-)Ästhetik, die eigenen Signale. Und dass sie sich gleichzeitig auch nichts scheißt. „Wir wollen nicht so werden wie die Deppen auf 10 und die nächsten 60 Jahre in Biere weinen“, heißt es in „Energie“.
Es ist eine funktionierende Psychohygiene – dreimal täglich Texte schreiben! – ganz ohne Küchenpsychologie und dabei eng verzahnt mit der präzisen, nie zu kalkuliert daherkommenden, jedoch höchst funktionalen Musik, die auf ihre Art rockt wie eine Hölle, die so heiß ist, dass den verlorenen Seelen schon wieder ein wenig fröstelt. Das ist eben keine Behübschungsmusik, keine Musik, die irgendeinem meist aus den falschen Gründen auserkorenen Genre sklavisch folgt und deren oberstes Anliegen es ist zu gefallen.