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Priestbird: Süffige Uferlosigkeit
„Wir spielen spirituelle Musik. Clubs wie auch Kirchen können unsere Tempel sein.“ Die drei Kunst- und Musikstudenten hinter Priestbird ulken mit Hurra durch jedweden religiösen Aspekt, der sich aus der Popkultur melken lässt. Formiert hatten sie sich 2003 – ein plötzliches Gotteszeichen in den Straßen des Big Apple gilt als Auslöser – als Hommage an die Jesus-Metaller Disciple, deren „ehrenwerten“ Weg sie fortsetzen wollen. Ihr US-Plattendebüt wurde in seiner ursprünglich geplanten Form auf Katholikenintervention wegen des hinterfotzigen Gospels „If You Deny Me, I’ll Be Lost“ verhindert und musste schließlich in einer Neupressung erscheinen – auf der europäischen Version des Albums ist der Song als Bonustrack noch vorhanden.
Und sie spielen auch schon mal tatsächliche Gläubigen-Konzerte – für die Unitarier oder andere Babysekten. Dabei ist alles, was sie mit messianischen Frömmelshows gemein haben, allein das Verständnis des Rockkonzerts als metaphysisches Spektakel, als Oper der Übersinnlichkeiten. Damit befinden sie sich Seite an Seite mit Bands wie Godspeed You! Black Emperor oder Mars Volta an der Speerspitze eines neuen und entsprechend noch hässlich benamsten Genres, des Progpunk oder Progressive Independent Rock. Hirnwabernde Räudigkeitswelten aus Schmetterriffs, Cembalo und Glockenspiel. Und gänzlich gottlos, da sich Priestbird den Teufel darum scheren, welcher noch so absurde Stilwechsel hinter der nächsten Musikbiegung wartet.
„Hinsichtlich unserer musikalischen Philosophie sind wir stark geprägt von den Krautrockern der 70er-Jahre. Bands wie Faust wussten damals schon wie reichhaltig an Kultur und Experimenten das Leben außerhalb der normalen Gesellschaft ist. Dem fühlen wir uns am meisten verbunden. Es gibt keinen klar bestimmbaren Platz für einen Klang wie den unseren. Wir lieben es einfach zu wildern, uns akustisch zu strecken, um ein größeres Bewusstsein des Universums zu erfahren.“ Klar ist das eine Neu-Eruption des Hippiegedaddels, wie man es seit Can oder Roedelius nicht mehr gehört hat, als diese Gitarrenverstärker und 4-Track-Rekorder beim kollektiven Holzhacken im Wald mit aufgestellt haben. Pink Floyd pumpern durch Pompeji und George Harrison haschlichtert im Dschungel von Bangladesch. Dazu kommen noch die popkulturellen Schreckenswörter „Konzeptalbum“ und „Rocksuite“.