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Kids on TV: Tanz den Cockrock
Die vor kurzem erneut proklamierte Freiheit im Netz – man denke nur an jene zahllosen wild wuchernden Websites, deren Content von ihren Usern selbst generiert wird, Stichwort Web 2.0 – scheint schon wieder an ihre Grenzen zu stoßen. Anfang März wurde das MySpace-Profil der kanadischen Band Kids on TV ohne Vorwarnung respektive klar formulierte Begründung kurzerhand gelöscht. Das ist gerade vor Beginn einer Europatournee besonders schmerzhaft, schließlich hat sich die Community-Seite für zahlreiche kleine wie große Acts unterschiedlichster Ausrichtung in den letzten Monaten als nicht unerhebliches, internationales Promotion-Tool erwiesen. Die inhaltliche Vielfalt scheint aber enden wollend zu sein, stellt sich angesichts derartiger Vorkommnisse doch die Frage nach der Zensurpolitik solcher Websites.
„Wir vermuten, dass die sexuelle Thematik unserer Texte, obwohl wir unsere Seite in visueller Hinsicht den Regeln entsprechend gestaltet haben, zu viel für MySpace gewesen ist“, meint die Band in einer Stellungnahme. Ob dieser Akt der Zensur wirklich auf eine diskriminierende Vorgangsweise des als konservativ geltenden Murdoch-Konzerns, zu dessen Portfolio MySpace gehört, zurückzuführen ist, bleibt noch unklar. Selbstverständlich ist hingegen, dass eine solcherart unbegründet gebliebene Handlung die queer-politische Agitation der Kids on TV erst recht herausfordern wird. Dass sie unter myspace.com/myspaceprofiledeletions ein eigenes Mitglieder-Profil als Forum für eine fruchtbare Diskussion zum Thema angelegt haben, wird da wohl die unmittelbarste, keinesfalls aber die einzige Reaktion bleiben.
Auch auf ihrem gerade erschienenen Debütalbum „Mixing Business with Pleasure“ nehmen die Kids on TV kein Feigenblatt vor den Mund. Inspiriert von diskursorientierter Dancemusic der 80er-Jahre jongliert die vor vier Jahren in Toronto als Stripper-Act gegründete Gruppe mit Sampling-Referenzen, queeren Verweisen und hochenergetischem Sloganeering auf dem Tanzboden hedonistischer Vergänglichkeit. Man nehme etwa das Stück „Hanky Code“, das sich ausführlich mit den vielfältigen Möglichkeiten ein Tuch in der Gesäßtasche zu tragen und den daraus abzuleitenden sexuellen Präferenzen auseinandersetzt. Mit der Zeile „Left, right / I’m sending out a message tonight“ wird es zur symbolträchtigen Hymne, die gleichzeitig den tanzbaren Soundtrack zum Kennenlernen darstellt.