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Gang of Four: Lockerlassen ausgeschlossen
Bandauflösungen schmerzen den Fan, gehen meist aber schon in Ordnung. Personelle und künstlerische Konflikte oder zum Dauerzustand gewordene Kreativitätsengpässe dienen schließlich kaum je als Mutter wirklich guter Musik. Der Haken an diesen Auflösungen ist nur, dass sie immer öfter zum ersten Schritt in Richtung Reunion werden. Und die mögen zwar dem einstigen Fan späten Trost spenden; wirklich brauchen tun sie für gewöhnlich aber nur die Künstler selbst, die irgendwann an Langeweile und Popularitätsschwund laborieren oder – das gängigste Motiv – einfach Kohle benötigen. Jede Musik hat ihre Zeit, und wird sie samt ihrer Protagonisten in eine andere Epoche verpflanzt, verkommt sie nicht selten zu einer Mischung aus Freak- und Nostalgieshow.
Entsprechend skeptisch durfte man vor drei Jahren auf die Ankündigung reagieren, dass sich die 1977 im britischen Leeds gegründeten und ursprünglich 1984 wieder aufgelösten Gang of Four in Originalbesetzung reformieren würden. Gut, sie zählen zu den einflussreichsten und unterschätztesten Rockbands der letzten drei Dekaden und prägten in den 80ern Gruppen wie die Red Hot Chili Peppers und Fugazi, aber auch R.E.M. und U2, während sie in den letzten Jahren als Vorbilder für so unterschiedliche Youngsters wie Franz Ferdinand, Bloc Party, Radio 4, The Rapture, The Futureheads, LCD Soundsystem, !!! oder Maxïmo Park überhaupt allgegenwärtig waren.
Aber hatten Sänger Jon King und Gitarrist Andy Gill Gang of Four nicht in den frühen 90ern schon einmal wiederbelebt, ohne jedoch mit den dabei entstandenen Alben „Mall“ (1991) und „Shrinkwrapped“ (1995) an alte Großtaten anknüpfen zu können? Sollten es diese beiden älteren Herren – unterstützt von Dave Allen (Bass) und Hugo Burnham (Schlagzeug) – ausgerechnet jetzt noch einmal bringen? Ließ dereinst nicht schon „Solid Gold“ (1981) die Radikalität und Kompromisslosigkeit des epochalen Debüts „Entertainment“ aus dem Jahr 1979 vermissen? Hörte man dem mit der neuen Bassistin Sara Lee eingespielten dritten Album „Songs of the Free“ 1982 nicht zu sehr den Wunsch nach größerem kommerziellem Erfolg an? Und war vor allem der im Trio ohne Burnham eingespielte White-Funk-Versuch „Hard“ 1983 nicht ein ziemlich zwiespältiger Abgesang gewesen?