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Deerhoof: Tanz den Milchmann
Auch wenn es bei vielen Bands nicht gern gesehen ist, allzu schwierig zu kategorisieren wären Deerhoof nicht. Die übereifrige Truppe aus San Francisco hat im Laufe ihrer gar nicht so kurzen Karriere einen unverkennbaren Signature-Sound erarbeitet, der dafür spräche, dass für sie demnächst eine eigene kleine Nische innerhalb der Musikgenres eingerichtet wird. Im Zusammenhang mit der Band geisterte in letzter Zeit nämlich häufiger der Begriff Avant-Artpop durch die Medien. Und das beschreibt die Welt von Deerhoof relativ gut.
Nach dem Abgang von Gitarrist Chris Cohen, der sich nun verstärkt um seine eigene, ebenfalls höchst empfehlenswerte Band The Curtains kümmert, sind Deerhoof also – mit Satomi Matsuzaki an Bass und Mikrofon, Greg Saunier am Schlagzeug und John Dieterich an der Gitarre – auf Triobesetzung geschrumpft und mit ihrem aktuellen Longplayer „Friend Opportunity“ bei ihrem bislang dichtesten, aber auch poppigsten Album angelangt. Deerhoof, die 1991 als eher kopflastige und den Hörern einiges abverlangende Noisecombo begannen, haben nach einigen personellen Umbesetzungen mittlerweile eine nahezu nicht zu übertreffende Perfektion in der Produktion von Haken schlagendem Hauruckpop mit Krachappeal erreicht.
Ausgefuchster und gewiefter denn je sind auf „Friend Opportunity“ die unterschiedlichsten Schichten übereinander gelagert, großzügig beigegebene Portionen windschiefer Bläsersätze und verspielte Keyboardmelodien füllen die Lücken im ohnehin straff sitzenden Korsett, Matsuzakis zuckersüßer Gesang verleiht dem Gesamtkunstwerk wie gehabt einen stark cartoonhaften Charakter.
Mit Ballett zu neuem Leben
Bei einer nimmermüden Gruppe wie Deerhoof, die rastlos Platte um Platte aufnimmt, tourbedingt eifrig den Globus umrundet und so auch zu dem Vergnügen kommt, Größen wie Radiohead oder die Flaming Lips als Support-Act begleiten zu dürfen, die also schon so einiges gesehen und erlebt hat, überrascht es dann doch ein wenig, dass eine der für die Band schönsten Episoden ihrer Bestehensgeschichte abseits der üblichen Weltenbummlerei liegt. Matsuzaki: „Wir hatten E-Mails von dieser, uns vollkommen unbekannten Lehrerin bekommen, die meinte, sie würde unser Album ‚Milkman‘ gerne als Ballett an ihrer Grundschule aufführen. Zuerst waren wir skeptisch – sie hatte alles umarrangiert für Banjos, Schulorchester, Flöten etc.; die Tänzer waren Kinder, alle so um die sechs Jahre alt; ein Pfarrer spielte Klarinette ... Wir kamen einen Tag vor der Aufführung an und waren überwältigt. Unsere Musik hatte von selbst zu leben begonnen, ohne dass wir etwas dazu beigetragen hätten, das war wirklich sehr rührend.“