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The Young Knives: Das Prinzip "Fawlty Towers"
Eine grüne Cordhose, eine braune Krawatte, ein antiker Pullunder, das gute Tweed-Sakko – jedes dieser Teile für sich genommen wäre ja prinzipiell noch okay, in Kombination hat man sie jedoch lang nicht mehr gesehen. Es würden sich wohl nur jene Künstler so kleiden, die das Bild eines Musikers in hautengen Jeans und Lederjacke für wenig glaubwürdig erachten, und sich daher bewusst dagegen entscheiden. Leute wie Jarvis Cocker etwa, für den das genau das Richtige wäre. Henry Dartnall, Sänger und Gitarrist der Young Knives, lebt in einem Vorort von Oxford – mit Frau, Eigenheim und Ententeich.
Bis vor kurzem werkte er tagsüber in seinem Brotjob als Account Manager. Würde er eines Tages im klassischen Rock-Outfit nach Hause kommen, verständigten die Nachbarn wohl sofort den constabulary, um von einem kotigen, wahrscheinlich sogar haschenden Einbrecher zu berichten. Aufzug und Erscheinung sind also nicht oder nur teils einem simplen Publicity-Gag geschuldet, sondern schlicht der Herkunft und dem Umfeld angepasst. Trotz cholerischem Marketing und völligem Versagen in puncto Outfit klappt bei den Young Knives letztlich aber doch alles. Das Prinzip „Fawlty Towers“ also. Gerade wegen dieses Verschnitts aus Maskerade, Understatement und britischen Spleens wird die Band zumindest von Kontinentaleuropäern als irgendwie authentisch begriffen.
Ebenfalls Teil der Young Knives: Henry Dartnalls Bruder Thomas. Seit dieser nicht mehr im Verlagswesen sondern als Bassist tätig ist, bekam er schnell den Namen The House of Lords, weil er genau wie das britische Oberhaus gerne und häufig von seinem aufschiebenden Vetorecht Gebrauch macht und damit – so die sichere Selbsteinschätzung – der Band schon einiges an Schwierigkeiten erspart hat. Der Letzte in der Runde: Schlagzeuger Oliver Askew. Er trägt einen Familiennamen, der als „schräg“ oder „schief“ zu übersetzen wäre, blieb bislang aber verhaltensunauffällig.
Ganz anders die Songs der Young Knives: Eine rumpelige Reise von den frühen 80er-Jahren bis hin zur aktuellen Retrowelle, mit Zwischenstopps bei Wire, Josef K und Gang of Four. Deren Gitarrist, Andy Gill, hat übrigens auch das Debüt „Voices of Animals and Men“ produziert und mit den Futureheads noch eine andere, ihnen sehr nahe stehende aktuelle Band, mit der sich die Young Knives überdies ein Faible für Elvis Costello teilen. Geeks unter sich.