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Patrick Wolf: Des Knaben Wunderhorn
Vor allem darin ist sich Patrick Wolf als Mensch treu geblieben. Und obendrein als einer, der sich selbst im 21. Jahrhundert der romantischen Tradition verpflichtet fühlt, wie kaum ein anderer. Auf seinem neuen Album „The Magic Position“ regiert die Welt des Gefühls und die Intuition wird sowohl auf formaler als auch auf inhaltlicher Ebene zelebriert. So schlendert Wolf, die „Bluebells“ in Anlehnung an Novalis stets am Revers, über den Jahrmarkt, besingt das Gefühl, welches Lou Reed einst sinnverwandt „This Magic Moment“ nannte, und erzählt im nächsten Moment vom Feuerwerk im herbstlichen London inklusive saisonaler Depression und zwischenmenschlicher Leere. Sehr bewegt scheinen die Tage des Entstehungsprozesses der neuen Platte gewesen zu sein.
„Es war die Zeit einer extremen und naiven Liebe“, wie Wolf rückblickend meint, „in der wir für zwei Jahre in einer Traumwelt mit unseren eigenen Göttern und eigener Sprache das Bett kaum verlassen haben.“ Es sei dies das erste Album, auf dem es ihm möglich war, nicht in erster Linie seine eigene Gefühlswelt zu verarbeiten, sondern die Menschen um ihn textlich in den Mittelpunkt zu rücken.
Dem war nicht immer so. Für sein zweites Werk „Wind in the Wires“ zog er sich aus dem strapaziösen London zurück, suchte die Zuflucht einer kleinen Strandhütte in Cornwall und schrieb folkige, von der ihn umgebenden Natur und seiner Einsamkeit geprägte Songs, um, wie er sagt, zu lernen sich selbst zu lieben und der Seele Auslauf zu gewähren. Dieser Rückzug war notwendig geworden, nachdem sich Wolf nach seinem Debütalbum „Lycanthropy“ aus dem Jahr 2003 in einer schier ausweglosen Situation wiederfand. Die Platte, an der er seit seinem 15. Lebensjahr gearbeitet hatte, in die der Multiinstrumentalist alle Passion und Hoffnung gesteckt hatte, war zwar von der Kritk geschätzt worden, brachte ihm aber nicht den Erfolg, den er sich erwartet hatte. Mit 1.000 verkauften Exemplaren, bedingt durch die begrenzten Möglichkeiten der kleinen Plattenfirma Faith and Industry, und mangels einer anständigen Bookingagentur, ist eben keine Superstarkarriere zu machen.