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Justus Köhncke: Alles wird gut
Er singt keine Schlager mehr. Nachdenkliche Texte, beinahe nackte Paarreime in Deutsch und zerbrechliche Harmonien waren gestern. Zumindest für Justus Köhncke. Denn der frönt wieder mit ganzem Herzen seiner alten, seiner ewigen Leidenschaft: Disco. Dafür gibt sich aber eine andere, frisch abgespaltene Köhncke-Persönlichkeit namens Kinky Justice jener Chanson-Seligkeit hin, die seit dem Album voller Coverversionen „Spiralen der Erinnerung“ eine nicht minder glorreiche Tradition im Schaffen des Kölner Produzenten einnimmt. Justus Köhncke hat also sein „Doppelleben“, wie er das letzte, vor genau drei Jahren erschienene Album noch programmatisch betitelt hatte, konsequent auseinanderdividiert.
Ein klein wenig darf man dieser eigentümlichen Spannung nachtrauern, die Köhncke wie niemand sonst zwischen Bassdrum-Wumms und Herz-Schmerz-Lyrik aufzubauen vermochte. Allerdings auch nur so lange, bis das Hedonismus-Progamm des neuen Albums mit voller Macht einsetzt – so etwa nach den ersten zwei Takten.
„Ich hatte mit den letzten Alben versucht, diese zwei Seiten irgendwie zu vereinen“, erzählt Köhncke, während er in einem Café ungeduldig nach der Kellnerin winkt, „aber das ist nie richtig gelungen. Die einen sind Fans von den Club-Stücken, und die anderen mögen die Songs. Ich selbst fand das Nebeneinander eigentlich prima, aber ich will ja nicht teachen. Deshalb hab ich jetzt eine Persönlichkeitsspaltung angeschafft – hier Kinky, da Justus. Und seitdem geht’s mir viel besser!“
Während sich Kinky also um Gesang und schöne Reime kümmert, hat Justus sehr schnell den Weg zurück in den Feierkeller gefunden und tanzt dort zu einem Future-Disco-Sound, der sich lustvoll auch aus dem musikhistorischen Schatzkästchen bedient. Das Spiel mit Referenzen und Zitaten war schon bei Köhnckes ehemaliger House-Band Whirlpool Productions eine beliebte Beschäftigung, auf seinem vierten Album „Safe and Sound“ macht er nun munter damit weiter. Er beschwört den Geist der legendären New Yorker Paradise Garage herauf, verneigt sich vor The Human League, schickt mit einer Coverversion von Michael Rothers „Feuerland“ einen Gruß an die Krautrock-Väter und lässt die Acid-Verweise nur so zwitschern.