|
|
||
|
|
|
WERBUNG Online-Games |
The Bad Seeds: No More Shall We Part
Nachdem er letztes Jahr mit Grinderman seine Lust am Rock ’n’ Roll wiederentdeckt hat, ist Nick Cave auf „Dig Lazarus Dig“ nun wieder mit seinem alten Kommilitonen Mick Harvey vereint. Die beiden spielten schon 1973 in Melbourne in ihrer ersten gemeinsamen Schülerband. Nach dem Beitritt von Rowland S. Howard zogen sie 1980 unter dem Namen The Birthday Party als Botschafter eines rabenschwarzen australischen Punk-Sounds nach London, dann Westberlin. 1984 formierten Cave und Harvey gemeinsam mit Anita Lane, Barry Adamson, Hugo Race und Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten die Urbesetzung der Bad Seeds.
Mit den ersten beiden LPs „From Her to Eternity“ (1984) und „The Firstborn Is Dead“ (1985) erforschte Cave die düstersten Winkel des Blues. Auf „Kicking against the Pricks“ interpretierten die Bad Seeds 1986 – erstmals mit dem Schweizer Drummer Thomas Wydler – u. a. Songs von Johnny Cash, John Lee Hooker und Alex Harvey, bevor ihr viertes Album „Your Funeral ... My Trial“ als Doppel-Maxi-Single herauskam. „Tender Prey“ (1988, jetzt auch mit Cramps- bzw. Gun-Club-Gitarrist Kid Congo Powers) enthielt Klassiker wie „The Mercy Seat“ und „Deanna“. Zur selben Zeit begann Cave seine Schriftstellerlaufbahn mit der Textesammlung „King Ink“ und seinem im Jahr darauf erschienen Romanerstling „And the Ass Saw the Angel“.
Das Album „The Good Son“ wagte 1990 mit von Mick Harvey co-arrangierten Streichern und den Singles „The Weeping Song“ und „The Ship Song“ einen Vorstoß in den Mainstream. Mit „Henry’s Dream“ (1992) traten Pianist Conway Savage und Bassist Martyn P. Casey dem Line-up bei, und auf „Live Seeds“ (1993) folgte „Let Love In“ (inklusive „Red Right Hand“ und „Do You Love Me?“) – zum ersten Mal mit Warren Ellis von den Dirty Three an der Geige, zunächst noch als Gastmusiker.
„Murder Ballads“ (1996) erwies sich mit seiner ganz dem plakativen Titel entsprechenden Homizid-Romantisierung samt Stargästen als spekulativer Abräumer, und Caves Duett mit Kylie Minogue in „Where the Wild Roses Grow“ lief auf MTV auf Heavy Rotation. „The Boatman’s Call“ – mit dem ewigen Begräbnisklassiker „Into My Arms“ – zeigte Nick Cave wiederum von einer bisher nicht gehörten intim persönlichen Seite, ehe er gegen Ende der 90er ein Gastspiel als Lektor an der Wiener Schule für Dichtung zum Thema „The Love Song and How to Write One“ absolvierte, endgültig dem Heroin und dem Alkohol abschwor und – nach seinen gescheiterten Beziehungen mit Anita Lane, PJ Harvey und Viviane Carneiro – eine neue Familie gründete. Das 2001 erschienene, cleane Comeback-Album „No More Shall We Part“ klang vielen alten Bad-Seeds-Fans zunächst zu brav und akademisch, am Büro-Schreibtisch verfasste Songs wie das satirische „God Is in the House“ oder „Love Letter“ sollten sich aber im Kanon der Band durchsetzen.