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American Music Club: The Golden Age (Cooking Vinyl / Edel)
American Music Club haben fast vier Jahre nach der Reunion-CD „Love Songs for Patriots“ ein Album produziert, das nach Morgendämmerung klingt und mit seiner Leichtigkeit erst einmal überrascht: Träge Akustikgitarren führen die Songs ans Licht, Sänger Mark Eitzel haucht ins Mikrofon, erzählt seine Geschichten ganz beiläufig und lässt sie wie durch Zufall in fast unverschämt eingängige Refrains münden.
Selbst die melancholischen Stücke strahlen eine Wärme aus, die vergessen lässt, wie viel Dunkelheit diese Band stets mit sich herumgeschleppt hat: Eitzel verdichtete Frust, Alkoholsucht und unglückliche Liebesgeschichten immer wieder in geniale Songs, die aber teilweise wie Bleiplatten auf der Brust lagen. Seine Stimme klang dabei oft nach Dave Gahan und Ian Curtis – düster, leidend, mitleidslos. 1982 gegründet und unter dem Einfluss von Bands wie Joy Division groß geworden, verschmolzen American Music Club ihren Sound mit Zutaten aus amerikanischem Alternative Rock und Country und wurden so zum verehrten Referenzpunkt diverser Rock- und Americana-Größen von R.E.M. bis Lambchop, ohne selbst je den kommerziellen Durchbruch zu schaffen.
Auf „The Golden Age“ ist der Leidensdruck nun durch Selbstironie gelindert: „Dark music is for people who are healthy enough to take it, and AMC want to appeal to all people – including the sick”, verlautbarte die Band zum Release. Am Cover präsentiert sich die Gruppe, die mit dem Drummer Steve Didelot und dem Bassisten Sean Hoffmann eine neue Rhythmus-Abteilung bekommen hat, als ein Häufchen Schiffbrüchiger – das Scheitern, ob nun am Markt oder an der Welt, ist für Eitzel und seine Mitmusiker ein Gegenpol, der in den leichten und gefälligen Songs auf „The Golden Age“ besonders gut zur Geltung kommt.
Das „goldene Zeitalter“ kontrastiert immer mit einem Verfall, der in persönlichen Geschichten und durchaus auch in Anspielungen auf die politische Lage zutage tritt. In „Windows on the World“ bekommen Erinnerungen an einen New-York-Besuch durch den Verweis auf das einstige Restaurant im World Trade Center einen düsteren Schatten, in „The Dance“ erzählt Eitzel zu anmutiger Musik von einem Mann – möglicherweise einem Soldaten – der während eines Tanzes seine Partnerin erschießt.