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Au Revoir Simone: Synthie-Schmalz für alle!
Eine alte Geschichte: Der Mainstream umarmt gerne mal den Underground. Gestern noch gesehen in den düsteren Kellerlöchern von New York, heute schon beim großen schwedischen Klamottendiskonter, der wiederum die mühsam erscoutete Street - Credibility an den durchschnittlichen Indie-Checker wie dich und mich weiterverscherbelt. So weit, so bekannt, so teilweise akzeptiert. The Shins machen Werbung für McDonald’s und, wer’s noch nicht weiß, das LCD Soundsystem hat für Nike einen exklusiven und nebenbei sehr guten Musikmix zusammengeschustert, aber das ist eine andere, lange Geschichte.
Am deutlichsten war die Verschränkung von Subkultur und Durchschnittshaushalt in den – grob geschätzt – letzten fünf Jahren wohl am Beispiel US-amerikanischer Fernsehserien zu beobachten: So treten Bands wie Sonic Youth oder Yo La Tengo bei den „Gilmore Girls“ auf oder schwärmen die Darsteller bei „O.C., California“ von Death Cab for Cutie. Darüber hinaus bestreiten immer mehr Bands aus der Indie - / Collegerock - Ecke große Teile der Soundtracks ähnlicher Programme – mit passender Musik über Liebesdinge und das Erwachsenwerden. Hat ja jeder was davon, gegenseitige Befruchtung und dergleichen. Was jetzt keineswegs als Kritik daran verstanden werden soll, dass andere Musiker, Schriftsteller und Künstler sämtlicher Betätigungsfelder ihren Unmut in die Welt schreien, laut formulieren, was gesagt werden muss. Das muss auch weiterhin geschehen. Über die kleinen alltäglichen Sorgen muss aber ebenso gesungen werden dürfen.
Genau das machen Au Revoir Simone, und ihren bisher größten Erfolg konnten auch sie im Zusammenhang mit einer Fernsehserie verbuchen: Ihr Song „Through the Back-yards“, der gar nicht so heimliche Hit ihres Debüts, des Minialbums „Verses of Comfort, Assurance & Salvation“, fand im Finale einer Staffel von „Grey’s Anatomy“ Verwendung. Passt ja nur zu perfekt: Der lebensmüde pulsierende Beat, die schlichte wie einnehmende Pianomelodie, der gehauchte Gesang, dazu wahlweise eine dramatisch oder traurig gemeinte Szene – fertig ist ein „magischer“ Moment. Au Revoir Simone machen Musik, die auch unseren Müttern und Großmüttern gefallen könnte. Das kann ruhig als Kompliment verstanden werden. Es gibt nur cool und uncool und wie man sich fühlt.