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The Good, The Bad & The Queen: The Good, the Bad & the Queen (Honest Jon’s / EMI)
Unlängst steckte das Nachrichtenmagazin des seriösen BBC-Radiosenders Radio 4 PaulSimonon und Damon Albarn mit dem berühmten London - Biografen Peter Ackroyd zusammen, um die Bezüge zwischen den von ihrem Album „The Good, The Bad & The Queen“ evozierten Sinnbildern und der Geschichte der britischen Metropole auszuleuchten. Nach einer angeregten Konversation über die etymologische Herkunft des im „History Song“ vorkommenden Wortes Hangers-On (Leute, die sich bei Hinrichtungen an die Erhängten klammerten, um ihren Tod zu beschleunigen) oder die in „Kingdom of Doom“ und „Behind the Sun“ versteckten Anspielungen auf die Unzulänglichkeit der Londoner Flutbarrieren angesichts des steigenden Meeresspiegels gluckste Ackroyd: „These boys are historians. I’m not a historian.“
Zweiteres war überzogene Selbstbescheidung zur Relativierung ersteren Kompliments, aber trotzdem war da mehr dran, als Ackroyd ahnte. Denn so wie Geschichtsschreibung sucht auch „The Good, The Bad & The Queen“ nach einem roten Faden unter den Widersprüchen von Notting Hill, wo Gentrifizierung und Verelendung, Multikulturalität und Neureichtum so eng zusammenliegen wie kaum sonstwo. Albarn geht davon aus, dass London – und mit ihm das ganze „stroppy little island of mixed-up people“ – seine Identität erst an die Globalisierung verloren (siehe „Modern Life Is Rubbish“ und „Parklife“) und dann durch den befruchtenden Einfluss der Immigranten neu erfunden hat.
Doch so wie der Historiker auf dem Weg zu seiner großen These ständig über widersinnige Fakten stolpert, wollen auch Albarns Songs nicht wirklich nach seiner Pfeife tanzen, ganz zu schweigen von den hier geradezu aufmüpfig undisziplinierten Beats des ehemaligen Fela-Kuti-Kommilitonen Tony Allen und der melodischen Reggae-Sturheit Paul Simonons (laut Linernotes hat Simon Tong alle Gitarren gespielt, aber sowohl seine Riffs als auch sein Fingerpicking klingen hochgradig damonesk). In „Herculean“ schwirren Geister um die Gasometer am oberen Ende des Ladbroke Grove, während die Dealer Tag und Nacht ihr Unwesen treiben („The medicine man is here twenty-four seven“). Die düstere Wolke der thatcheristischen 80er-Jahre will sich nicht verziehen („80’s Life“), und in den Pubs des „Kingdom of Doom“ wird zu den Klängen einer seekranken Orgel den ganzen Freitag lang gesoffen, „cause the country’s at war“.