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Ein zweites Ohr für die Jicks!
Ironie ist dieser Tage ja fast schon so desavouiert wie die geschmähte alte Political Correctness, beides Strandgüter der 1990er, mit deren genereller Verdammung sich immer leicht punkten und moralische Überlegenheit beanspruchen lässt. Doch man bedenke, so klug wie wir heute kam man sich damals auch schon vor, die Political Correctness war um Welten besser als der Alltagsfaschismus davor, und was die Ironie anging, war in der Rockmusik eine gewitzte Alternative zur morbiden Verbissenheit von Nirvana durchaus willkommen.
Die Band, die diesen Auftrag erfüllte, hieß Pavement, und langsam scheint sich wieder herumzusprechen, wie wichtig diese stets am Rand zur Selbstsabotage wandernden sogenannten Slacker-Rocker eigentlich waren. Auch Stephen Malkmus, ihr damaliger Sänger, Gitarrist und Songschreiber, hat schon davon gehört: „Ich trage nicht viel dazu bei, es ist einfach da. Unser Label hält durch Reissues die Fahne hoch, und der Rest geht einfach über Mundpropaganda. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Band nur in den 90ern existiert und nach vier bis fünf Alben aufgehört hat. Das wirkt irgendwie recht ordentlich. Von Guided by Voices gibt’s dagegen 40 Millionen Alben, und Sonic Youth haben sich nie aufgelöst.“
Allmählich scheint die wachsende Nostalgie für Pavement auch in zunehmendes Interesse an Malkmus’ Solo-Arbeit mit seiner Begleitband The Jicks umzuschlagen. „Wir sind sowas wie ein unentdeckter Schatz“, meint er, „die Leute haben uns bisher nur mit einem Ohr zugehört.“ Und geteilte Aufmerksamkeit vertragen weder Malkmus’ hermetische Texte noch die komplexen Strukturen von Songs wie der siebenminütigen Kriminalposse „Hopscotch Willie“ oder der zehnminütigen Mini-Oper „Real Emotional Trash“ von seinem gleichnamigen neuen Album.
Spielfreude und Informationsdichte
Nach der Verwirrung über die seit 2001 erschienenen Solo-Alben, die die Jicks abwechselnd schon bzw. nicht im Titel führten, sprüht ihr jüngstes Werk nur so vor der spürbaren Spielfreude zwischen dem als Gitarrenheld immer noch unterbewerteten Malkmus, Bassis-tin Joanna Bolme (Quasi, The Minders, Elliott Smith), Keyboarder und Rhythmusgitarrist Mike Clark und der vor zwei Jahren als mehr als ebenbürtiger Ersatz für Decemberist John Moen hinzugestoßenen Schlagzeugerin Janet Weiss (Sleater-Kinney, Quasi, The Go-Betweens, ...). Angesichts der in den ersten 15 bis 50 Hördurchgängen noch ziemlich überwältigenden, schieren Informationsdichte, den unerwarteten Kodas und gefinkelten Taktwechseln, erinnert das nicht selten an die frühen Soft Machine. „Janet wäre glücklich über diesen Vergleich“, sagt Stephen Malkmus, „sie liebt Robert Wyatt, Keith Moon, Mitch Mitchell. Sie hat sehr klassische Vorbilder und ist immer ganz enttäuscht, dass unsere Platten nicht so klingen.“