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Valina: Aufgeregt und abgeklärt
Wir sind in dem Sinn eine experimentelle Band, dass es uns nicht darum geht, das Experiment vorzustellen, sondern das Resultat“, sagt Anatol Bogendorfer, Sänger und Gitarrist von Valina. In seiner Wohnung in der Linzer Altstadt hören wir die elf Stücke von „A Tempo! A Tempo!“, das wie bereits das letzte Album seiner Band, „Vagabond“ aus dem Jahre 2002, gemeinsam mit Steve Albini in Chicago aufgenommen wurde. „Für uns ist das Erscheinen dieses Albums der Abschluss einer eineinhalbjährigen Arbeitsphase.“
„Uns“ steht neben Anatol noch für Bassist Florian Husbert Huber und Schlagzeuger Anselm Dürrschmid, der im Jänner 2006 Gründungsmitglied Claus Harringer ersetzte. Dem neuen Mann gehören auch die ersten Takte des Albums: „Calendaria“ macht nachvollziehbar, warum Albini beim Einspielen meinte: „Boy, he really beats the shit out of these drums.“ Dabei geht es dieser Musik nie um rockistische Kraftmeierei. Es geht um nachdrückliche, durchdachte Signale. Etwas, das sich die Band, die seit mittlerweile einem Jahrzehnt existiert, hart erarbeitet hat.
Arbeit ist eine gute Sache in der Welt von Valina, nicht im manischen Sinne eines Henry Rollins, sondern im Sinne einer großen Bestimmtheit und Ernsthaftigkeit, mit der die Drei ihre Band betreiben und mit der sie an ihr Ausdrucksmittel herangehen. Das schlägt sich in der Zeit nieder, die sie sich nehmen, um ihre Musik genau zu bestimmen – in intensiven, mehrtägigen Probe-Sessions über viele Monate hinweg. Es klingt romantisch, wenn Bogendorfer davon erzählt, dass seine Mutter gegen Mitternacht Essen brachte und sie sich dann gemeinsam vor dem Probelokal im Linzer Hafen stärkten. Es klingt nach Kopfweh, nach Frustration, wenn er vom Scheitern am Spielen verschobener Taktarten spricht. Was sich auch in den Lyrics von „Phantom of My Longest Day“ wiederfindet: „Sometimes it doesn’t really work out well.“
Ohne Effekte, mit Bedeutung
Während Songs wie „Bellydancer“, „Idiom’s Palace“ oder „Per Sonare“ durch den Raum klingen, hält es Anatol nicht auf dem Sofa. Diese Sounds, diese Stücke lassen Worthülsen wie Post-Hardcore oder Post-Rock leer zurück. Die Idee einer „fetten“ Produktion verweist diese Musik in die Schranken. Mit dem Verbündeten Albini wurde das – es gibt auch herrliche Bläsersätze und Klavierparts auf dem Album – ohne Effekte aufgenommen, so wie es eben klingt. Deshalb wirkt die Musik derart greifbar, nah und „echt“. Anatol geht auf und ab, nicht aus Unzufriedenheit. Er drückt die Pause-Taste.