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Goldfrapp: Halluzinieren in der Notaufnahme
Ein Interview mit Goldfrapp, das weiß der von einschlägigen Erfahrungen gezeichnete Schreiber dieser Zeilen, kann so oder so ausgehen. Als ich Alison Goldfrapp vor dem Erscheinen ihres letzten Albums „Supernature“ gegenüber saß, lümmelte sie etwa bei gedämpftem Licht mit Sonnenbrillen auf ihrem Hotelbett und bedachte jede meiner Fragen mit einem blasierten Augenaufschlag und mürrischer Auskunftsverweigerung.
Auf eine perverse Weise passte das auch gut zu einem Album, dessen Glam-Elektro-Sound bei aller Tanzbarkeit und glitzernder Perfektion ganz ohne emotionale Wärme auszukommen schien. Von jenen Goldfrapp, die auf ihrem Debüt „Felt Mountain“ mit bittersüßen Breitwand-Arrangements so überzeugend die ambivalente Dekadenz der Weimarer Republik in die britische Pop-Gegenwart verpflanzten, ließen Alison und ihr komponierender und arrangierender Studiopartner Will Gregory dabei gar nichts mehr hören.
„Supernature“ und erst recht auf dezent geborgten Wiedererkennungswert hinprogrammierte Airplay-Hits wie „Ooh La la“ oder „Strict Machine“ waren der totale Triumph des Kalküls, erst recht nach kommerziellen Maßstäben. Umso überraschender der radikale Kurswechsel auf Goldfrapps neuem Album mit dem mystisch tönenden Titel „Seventh Tree“, das mit reichlich akustischen Instrumenten und viel ätherischem Hauchen seinen ans Psychedelische grenzenden Klangbilder-Reichtum zelebriert. So als hätten Goldfrapp sich insgeheim längst danach gesehnt, endlich wieder einmal bis zum Hals in ausladenden Harmonien zu baden.
„All die gespielten Instrumente klangen einfach zu sauber, fast schon wie Fleetwood Mac.“
„Ja, ich glaub, da hast du recht“, bestätigt Alison die These, in ihrer freundlichen Wohlgesinntheit auch diesmal wieder perfekt auf Wellenlänge mit der von ihrer neuesten Platte verströmten Atmosphäre, „aber ich versteh nicht ganz, warum die Leute behaupten, wir würden wieder so klingen wie auf ‚Felt Mountain‘“. Das Einzige, so Goldfrapp, was ihre und Wills bisherige vier Alben gemeinsam hätten, sei, dass sie immer jeweils anders klängen als das davor. „Die Tracks auf ‚Supernature‘ waren allesamt sehr dicht arrangiert. Wir hatten jeden Freiraum mit britzelnden Synthesizer-Sounds vollgepfropft. Beim Live-Spielen war das zwar ein großer Spaß, vor allem, wenn die Leute mit den Armen wedelten und im Chor mitsangen. Das waren schon sehr mitreißende Momente.