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Greenland Place
„Last night I slipped through time to a parallel dimension. You were alive and happy.“ Jarvis Cocker, „Quantum Theory“
Langsam wird’s schon obszön, wie viel ich in letzter Zeit herumfliege. Ist mit der Ökista ja auch wirklich günstig: British Airways um 2.500 Schilling. Jetzt soll’s auch noch diese neue Virgin-Diskont-Route über Brüssel von Wien nach London geben: 890,– one way. Für uns ist das ganz praktisch, weil wir im Jänner nach London ziehen. Das geht seit dem EU-Beitritt ohne Aufenthaltsbewilligung, und der Pfundkurs ist mit 16 Schilling heutzutage derart niedrig, dass das Leben hier spottbillig sein wird. Vor allem in so einer bunt gemischten Nordlondoner Working-Class-Nachbarschaft.
Aber halt, ich kling ja schon wie das „girl from Greece“ aus „Common People“ ... Komisch, wie sich das entwickelt hat. Pulp waren einmal die Freaks, jetzt sind sie unser aller Konsens. Auf „Different Class“ kann man sich sogar mit Leuten einigen, die längst genug haben von dem ganzen Britpop-Ding. Die gängige Theorie ist ja, dass Britpop bloß das letzte Aufbäumen der todgeweihten Gitarrenmusik vor der endgültigen Machtübernahme durch die Dance Culture ist. Stand vor kurzem irgendwo in The Face, glaub ich.
Bevor’s mit unserer Wohnung endlich so weit ist, bin ich schnell noch einmal nach London gekommen, um mit Blur ein Interview über ihr neues Album zu führen, das offenbar immer noch keinen Namen hat. Auf meiner Vorabkassette ist unter anderem dieser kurze punkige Song drauf, den Damon bei meinem letzten Interview im Sommer selbstbewusst als eine zukünftige Single anpries. Beim Konzert hat mich die Nummer dann allerdings nicht so überzeugt. Klang ein bisschen unfertig und unmelodisch. Außerdem hat sie – so wie das Album – nicht einmal einen Titel: „Song 2“ steht auf dem Kassettencover.
Vielleicht fällt ihnen ja noch was ein, oder Blur haben inzwischen einfach Angst vor jedem Statement, seit sie mit ihrer Flucht nach Island Oasis das Feld überlassen haben. Dieser alte Song namens „Death of a Party“, den sie für ihr neues Album aufgewärmt haben, trifft jedenfalls nicht gerade den Zeitgeist der munter verkoksten Cool Britannia. Wo doch alle damit rechnen, dass Labour nächstes Jahr die Wahlen gewinnt. Das haben sie beim letzten Mal zwar auch schon gesagt, aber dieser glitschige Tony Blair könnte am Ende wirklich noch genügend frustrierte Tories dazu bringen, diesmal Labour, Verzeihung, New Labour zu wählen. Auch wenn er mit seinem Law-&-Order-Geschwätz und der Anti-Gewerkschafts-Polemik manchmal derart dick aufträgt, dass man glatt glauben könnte, er meint es ernst.