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M.Ward: Rummelplatz der Emotionen
Der kalifornische Mittdreißiger Matt Ward ist auf diesen Seiten erstmals als Kompilator eines exzellenten John-Fahey-Tributes aufgetaucht, auf dem bewährte Größen wie Howe Gelb, Devendra Banhart, Jason Lytle oder Calexico aufspielten. Giant-Sand-Mastermind Gelb war es auch, der Ward um die Jahrtausendwende auf seinem Label Ow Om als neuen Wundergitarristen vorgestellt hat. Nach sparsam instrumentierten LPs, auf denen kraftvoll elegante Gitarrenarbeit im Zentrum stand, gab es 2004 mit „Transistor Radio“ nicht zuletzt wegen der angestiegenen Zahl an Mitmusikern den ersten Schritt in Richtung einer breiteren Ausdruckspalette.
Die von Ward erinnerten besseren Zeiten des amerikanischen Radios färbten dabei klar auf das gut informierte Songwriting ab und ließen ihn auf solch unterschiedliche Primärmaterialien wie eine Bach-Etüde oder ein Beach-Boys-Spiritual zurückgreifen. Klassik, Pop und das schwammige Genre Americana (das hier wegen der teils rustikalen Stilvielfalt und dem nach wie vor vorhandenen Fahey-Bezug echte Gültigkeit hat) sind auch die Eckpfeiler, auf denen nun „Post-War“ aufbaut.
Es ist das erste Album, das Ward zur Gänze mit seiner exzellenten Band eingespielt hat. Und zu den gesanglichen und instrumentalen Talenten gesellt sich jetzt auch eine Meisterschaft in Sachen gediegener Arrangements. Die zuvor ausfasernden Konzepte samt verspielter Soundeinlagen (von Field-Recordings bis Found-Footage) werden nunmehr innerhalb der Songs von den einzelnen Spielern gebündelt. Externe Geräuschquellen (Applaus, statisches Rauschen) kommen zwar noch vor, dienen aber nur mehr selten als Überleitungen im kompakten Songreigen. Die Atmosphäre gleicht einem Rummelplatz der Emotionen, was auch von Songtiteln wie „Rollercoaster“ oder „Magic Trick“ („She’s got one magic trick / She disappears“) nahe gelegt wird. Vom gefühlvoll elegischen Titelstück bis zu einem scharf geschnittenen Surf-Instrumental ist einiges drin.
Der Wechsel zwischen düsteren und heiteren Elaboraten geht zwanglos und konzis vonstatten. Die Aufmerksamkeit wird dabei durch editorische Finessen wie gelegentlich eingestreute Pausen stets aufs Neue geschärft. Die von Ward früher vereinzelt angewandte Methode, seine Aufnahmen wie verstaubte 78er-Schellacks klingen zu lassen, ließ bislang viele Rezensenten zum Etikett LoFi greifen, die Produktion ist aber durchwegs exquisit und weist eine verwinkelte klangliche Reichhaltigkeit auf. Nicht umsonst ist Ward mittlerweile auch ein gefragter Produzent.