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Klaxons: Fluoreszierende Posterboys
Wir wissen es: In England wird im 7-Wochen-Takt eine neue „beste Band der Welt“ ausgerufen. Rauf aufs Cover, Abfeiern, runter vom Cover – business as usual. Die Band der Stunde und der geschätzten vergangenen drei Monate nennt sich Klaxons. Interessanter dabei als die hinlänglich durchgekauten Praktiken der Musikpresse ist, wie exemplarisch die Band und ihr, genau, kometenhafter Aufstieg für eine zwar mittlerweile schon halbverdaute, aber kaum zu leugnende Erkenntnis stehen: nämlich, dass die Welt mit ihren echten Menschen, greifbaren Printmedien und physischen Tonträgern mit dem Netz und MySpace nicht mehr Schritt halten kann. Haben’s dir deine Friends noch nicht verklickert? Klaxons, wow, das ist das ganz heiße Ding. Aber langsam, die Geschichte geht so ...
Drei junge Männer aus London, Jamie Reynolds, Simon Taylor und James Righton, machen gemeinsam an Bass, Gitarre, Synthies und Mikro wahnwitzig überdrehte Musik. Beschlossen wird die Sache nach einer mit im Überfluss mit Rauschmitteln ausgestatteten Nacht. Klaxons, die im November 2006 gerade mal ihr einjähriges Bandjubiläum feiern, tragen grell schreiende, mit Planeten bedruckte T-Shirts, neonfarbene Trainingsjacken, die einen postwendend in die frühen 90er beamen, und machen Smileys wieder zu begehrten Icons. „New Rave“ nennen sie das Ganze und vergessen dabei nicht die Glowsticks, jene für munteres Raven unabdingbaren und mit „Knicklicht“ unglamourös zu übersetzenden Plastikröhrchen.
Die Debütsingle „Gravity’s Rainbow“ lässt das Web Kopf stehen, der NME springt auf den Zug auf, eine Hand voll Songs erscheint in Großbritannien und in den USA auf diversen Singles und EPs. Acid, Baby! Die Musik selbst ist in erster Linie kaltschnäuzig mit der Tür ins Haus fallendes Rock-Rabaukentum, das sich gerne an Postpunk erinnert und mit forschen Beats und einigen elektronischen i-Tüpfelchen versehen ist. Vom Rezept her wenig aufregend, in der Umsetzung immerhin sehr gut, mitreißend und Partygarant.
Nun handelt es sich bei Klaxons freilich um eine Band, bei der – bis jetzt – Konzept und Image größer sind als die Musik. Bislang hat der ganze Song gewordene Adrenalinschub mit „New“ nämlich ebenso wenig zu tun wie mit „Rave“, vom häufig eingesetzten Sirenengekreische mal abgesehen. Wir treffen einmal mehr auf eine mit allen Wassern der Postmoderne gewaschene Band, die so auffällig die Bezüge droppt, dass es weh tut, was andererseits aber die Menschen dahinter sympathisch und fast unangreifbar macht. Weil eh schon alles klar ist: Klaxons haben der Journaille vorgegriffen, den eigenen Referenzrahmen gestrickt und mit „New Rave“ die Genreschublade selbst aufgemacht.