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Lee Hazlewood: Cake or Death (Four / Sony BMG)
Es ist sich also ausgegangen. Nachdem sich Lee Hazlewood im Vorjahr einer Nierenoperation unterziehen musste, wurde die Arbeit an seinem schon vor diesem Eingriff als „letztes Album“ angekündigten Werk weiter verzögert. Auf die Fertigstellung von „Cake or Death“ hätten bei dem mittlerweile 77-Jährigen wahrscheinlich wenige gewettet. Immerhin verdeutlicht der Titel des Albums auf typisch Hazlewood’sche Art, dass er sich in einem Alter befindet, in dem jedes Jahr mit Glück einen weiteren Geburtstagskuchen, oder – mit weniger Glück – den Tod bedeutet. Mittlerweile ist Hazlewood wieder fit.
Sieht man von der Entscheidung ab, mit Arzt Bela B. für dessen heuer erschienenes Soloalbum den auch hier enthaltenen Song „The First Song of the Day“ zu singen. Jedenfalls gibt sich Lee am Cover von „Cake or Death“, an einem Tschick ziehend, unverwüstlich.
Der seit den 1950ern als Produzent, Songwriter und Interpret umtriebige Barton Lee Hazlewood aus Mannford, Oklahoma, erlebte im laufenden Jahrzehnt eine beachtliche Renaissance. Wohl auch, dass er sich als Tantiemenmillionär – „These Boots Are Made for Walking“ beschert ihm bis heute zwischen einer und drei Millionen Dollar pro Jahr! – im besten Florida-Alter so rar machte, wie es viele seiner Alben sind, erhöhte das Interesse an dem Mann, der nicht nur Nancy Sinatra eine Soloweltkarriere ermöglichte.
Hazlewood war es, der mit den beiden „Nancy & Lee“-Alben (1968 und 1972) und ihren mehrdeutigen Texten Musikgeschichte geschrieben hat. Mit „Some Velvet Morning“, mit „Summer Wine“ oder „Sand“. Stücke, in denen Nancy Barbie gab, während Lee den dreckigen alten Mann an ihrer Seite verkörperte – und zwar in jeder noch so kranken Fantasie sehr, sehr glaubhaft. Schon vor dieser Karriere, die er neben dem Geld, das sie ihm brachte, als Katastrophe bezeichnete – „plötzlich kannte jeder mein Gesicht, ein Albtraum!“ – verhalf er dem Rock ’n’ Roller Duane Eddy zum Durchbruch.
Er ließ Gram Parsons mit der International Submarine Band auf seinem LHI-Label das Genre Countryrock erfinden, trank mit dem Rat Pack (Dean Martin, Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Peter Lawford, ...) Whiskey und verbuchte mit den Folkunternehmen The Shacklefords Erfolge. Nach den 1970ern, in denen er zwischen den USA und seiner damaligen Wahlheimat Schweden pendelte, entdeckte die Postpunk-Generation das meist mit einem Fuß im Country stehende Werk Hazlewoods. Musiker wie Nick Cave, Rowland S. Howard und Lydia Lunch, Kim Salmon, die Einstürzenden Neubauten, Killdozer und andere coverten seine Songs und sorgten so dafür, dass er zumindest auf diese Art präsent blieb.